Gemeinsam mit dem Ortsbeirat und betroffenen Anwohnern nahmen die Mandatsträger die Gefahrenpunkte an der Bundesstraße (B 27 / B 279) direkt in Augenschein. Seit über einem Jahr sorgt die Großbaustelle an der A7-Talbrücke Römershag für massiven Ausweichverkehr, der täglich durch die Ortslage rollt. Die Situation hat sich durch die Errichtung des neuen VR-Bank-Geldautomaten an der Straße „Zum Steinhauck“ weiter verschärft, da hier zusätzlicher Ziel- und Parkverkehr direkt an der vielbefahrenen Bundesstraße entstanden ist. Ein weiterer Gefahrenschwerpunkt ist der neue, für den Schülerverkehr extra beleuchtete Radweg Richtung Eichenzell. Alfons Schäfer, Rothemanner und einziger Vertreter der CWE in der Gemeindevertretung, berichtete besorgt, „dass sich viele Ältere nicht trauen, den Bankautomaten zu nutzen“. Besonders dramatisch sei die Lage für Schulkinder: „Schüler müssen morgens oft fünf oder zehn Minuten warten, bevor sie die Bundesstraße überhaupt queren können.“ Als einzige wirksame Sofortmaßnahme sieht Schäfer eine Versetzung des Ortsschildes um 150 Meter: „Was ist dabei, ein Schild 150 Meter zu versetzen? Dass es nicht passiert, ist reine Willkür. Wir wissen alle, was hier abläuft – nur die Behörden nicht.“ Die zuständigen Stellen würden sich nicht ausreichend um die Sicherheit der Bürger kümmern. Schäfer verwies in diesem Kontext auf den Ortsteil Welkers, wo Schilder weitaus früher aufgestellt worden seien. Auch am gewählten Standort des Geldautomaten ließ der CWE-Politiker kein gutes Haar: „Wer den Automaten genehmigt hat, muss auch dafür sorgen, dass er sicher erreichbar ist.“
Der grundsätzlichen Problembeschreibung widersprach bei dem Vor-Ort-Termin niemand. An der Kreuzung direkt hinter dem momentanen Ortseingangsschild ergaben verdeckte Messungen des Ordnungsamtes, dass 70 bis 80 Prozent aller Fahrzeuge mit gefährlichen Geschwindigkeiten zwischen 55 und 80 km/h an der Einmündung vorbeirauschen. Die geforderte Versetzung des Ortsschildes um 150 Meter in Richtung Fulda stößt bei den übergeordneten Behörden bisher jedoch auf Granit. Wie Ordnungsamtsleiter Thomas Gernhard erläuterte, lehnen der Landkreis Fulda, die Polizei und Hessen Mobil eine Versetzung strikt ab. Laut Gesetz darf eine Ortstafel erst dort stehen, wo eine geschlossene Bebauung mit Grundstückseinfahrten auf die Fahrbahn erkennbar ist. „Nach der Argumentation des Landkreises steht das Ortsschild eher zu weit draußen als zu weit im Ort“, so der Amtsleiter.
Bürgermeister Johannes Rothmund (CDU) unterstrich, dass es nicht in der rechtlichen Verantwortung der Gemeinde liege zu entscheiden, wo das Ortsschild aufgestellt wird. Hierfür gebe es unumstößliche Verwaltungsvorschriften. Den Standort des Geldautomaten verteidigte der Rathauschef mit dem Hinweis auf die strengen Vorgaben der Versicherungen, die aufgrund von Sprengungsrisiken keine Automaten mehr in Wohngebäuden dulden würden. Grundsätzlich könne die Gemeinde froh sein, dass überhaupt ein Automat aufgestellt wurde. Die Banken würden damit im Grunde kein Geld verdienen und lediglich versuchen, stark frequentierte Standorte zu besetzen.
Mögliche Lösungen zeichnen sich allerdings erst langfristig ab. Bürgermeister Rothmund betonte, dass die Gemeinde im Zuge der laufenden Bundes-Radwegeplanung mit Nachdruck an einer sicheren Querungsmöglichkeit arbeitet. „Es wäre wünschenswert, in überschaubarer Zeit eine sichere Überquerung der Straße zu ermöglichen“, so der Bürgermeister. Eine kurzfristige Umsetzung ist laut Bauamtsleiter Nico Schleicher aus rechtlichen und planerischen Gründen jedoch nicht machbar. Eine Mittelinsel würde aufgrund der notwendigen Verbreiterung der Gesamtfahrbahn umfangreiche Bauarbeiten weit vor und hinter der Kreuzung erfordern. Ohne den gleichzeitigen Bau des Bundesradwegs blieben diese enormen Kosten komplett bei der Gemeinde hängen. Zwar sieht der Flächennutzungsplan der Gemeinde Eichenzell auf der Seite des Bankautomaten seit 2019 ein Baugebiet vor, bei dessen Realisierung der Einmündungsbereich neu gestaltet werden müsste – bis zu einer Umsetzung werden allerdings noch Jahre vergehen. Auch eine Entlastung durch den geplanten Bau der Autobahn-Anschlussstelle Döllbach wird noch lange auf sich warten lassen. Die einzige kurzfristige Hoffnung ruht auf der noch für dieses Jahr erwarteten Freigabe von zwei Fahrspuren auf der Talbrücke Römershag, wodurch der Umgehungsverkehr auf der Bundesstraße spürbar abnehmen dürfte.
Für die zahlreich erschienenen Bürger blieb dies ein insgesamt wenig befriedigendes Ergebnis. Ausschussvorsitzender Joachim Weber (Bürgerliste) äußerte sich gegenüber unserer Zeitung daher entsprechend kämpferisch: „Die Versetzung des Ortsschildes bleibt eine Ermessensfrage beim Landkreis. Wir müssen an diesem Thema zwingend dranbleiben. Wenn eine Maßnahme die Wohnqualität der Bewohner verbessert, ohne jemandem zu schaden, warum sollte man sie dann nicht umsetzen?“
