Lokales 11.09.2026

„Lebenswerk im Ehrenamt“: Ehrenbrief des Landes Hessen für Schäfer

Eichenzell (sk) – Ein ganz außergewöhnlicher Meilenstein lokaler Zeitgeschichte prägte den feierlichen Ehrungsabend der Gemeinde Eichenzell im Schlösschen. Für sein mehr als fünf Jahrzehnte währendes, unermüdliches Engagement wurde Alfons Schäfer offiziell mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet.

Foto: Silas Messing.

Bürgermeister Johannes Rothmund fand in seiner feierlichen Laudatio tiefe und anerkennende Worte für eine Lebensleistung, die in der Region ihresgleichen sucht: „Der Ehrenbrief ist weit mehr als eine Urkunde. Er ist ein sichtbares Zeichen der Anerkennung für dein Lebenswerk im Ehrenamt.“ Schäfer habe über Generationen hinweg die demokratische Kultur vor Ort entscheidend geprägt und dabei bewiesen, dass kommunalpolitisches Engagement kein kurzfristiges Projekt, sondern ein tiefes, langfristiges Bekenntnis zur eigenen Heimat ist.

Das Fundament dieser Ehrung bildet eine mathematisch wie inhaltlich beeindruckende Bilanz, die Rothmund im Saal detailliert skizzierte. Schäfers kommunalpolitische Reise begann bereits vor über 50 Jahren, am 1. April 1973, im Ortsbeirat seines Heimatortes Rothemann, dem er mit einer kurzen Unterbrechung insgesamt über 40 Jahre angehörte. Seit nunmehr 33 Jahren vertritt er die Interessen der Bürger zudem ununterbrochen in der Eichenzeller Gemeindevertretung. Über Jahrzehnte hinweg übernahm er dabei Führungsverantwortung – von 1993 bis 2018 und erneut von 2021 bis 2026 als prägender Vorsitzender der CWE-Fraktion, sowie von 2018 bis 2021 als stellvertretender Vorsitzender der damaligen gemeinsamen CDU/CWE-Fraktion. Doch Schäfers Einsatz beschränkte sich keineswegs nur auf die parlamentarische Bühne: Über 45 Jahre lang lieh er der Demokratie als zuverlässiger Wahlhelfer seine Kraft. Zudem gilt er als unermüdlicher Aktivposten und langjähriger Vorsitzender im TSV Rothemann sowie in der dortigen Vereinswelt.

„Mehr als fünf Jahrzehnte Ehrenamt hinterlassen Spuren. Spuren in Rothemann, Spuren in Eichenzell und vor allem Spuren in der kommunalen Demokratie unserer Gemeinde“, würdigte der Bürgermeister den Geehrten sichtlich bewegt. Rothmund hob hervor, dass Schäfer in all den Jahrzehnten wechselnder Mehrheiten und politischer Herausforderungen stets eine besondere Qualität bewiesen habe: den ungetrübten Blick für das große Ganze und das gemeinsame Ringen um die beste Lösung im Sinne der Bürger. Hinter den nackten Zahlen stünden unzählige Stunden persönlicher Zeit, die Schäfer seiner Familie, seiner Freizeit und seinem Unternehmen entzogen habe, um sie ganz in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Unter dem langanhaltenden Applaus der geladenen Gäste und Fraktionskollegen schloss Rothmund die feierliche Übergabe mit einem einfachen, aber zutiefst von Herzen kommenden Dank für diese außergewöhnliche Tatkraft und die tiefe Verbundenheit mit der Gemeinde Eichenzell.

In einer bewegenden und von tiefer Demut geprägten Dankesrede reagierte Alfons Schäfer auf die Verleihung des Ehrenbriefs des Landes Hessen. Für ihn stand fest, dass diese hohe Auszeichnung weit mehr als eine bloße Urkunde ist, sondern sichtbar für 62 Jahre intensivster Arbeit im Dienst der Gemeinschaft sowie des Vereins- und Politiklebens steht, die 1964 mit dem Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr Rothemann begann. Schäfer betonte ausdrücklich, dass eine solche jahrzehntelange Leistung niemals das Werk eines Einzelnen sei: „Niemand nimmt eine solche Ehrung entgegen, ohne die Unterstützung vieler anderer.“ Neben dem Dank an treue politische Weggefährten wie Dietmar Ciba und CWE-Kreisverbandsvorsitzenden Thomas Grünkorn richtete er seinen emotionalsten und größten Dank jedoch an seine Familie – insbesondere an seine Frau Marlene, seine Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder –, die durch unzählige Abendtermine und geopferte Wochenenden den höchsten Preis für sein Engagement getragen habe: „Ihr habt mir den Rücken freigehalten, mich getröstet, wenn etwas schiefging, und mich ermutigt, wenn der politische Alltag wieder einmal stürmisch war.“ Ohne deren Geduld, Verständnis und Liebe wäre all dies nicht möglich gewesen, weshalb die Auszeichnung mindestens ebenso sehr seiner Familie gehöre. Mit Blick auf die Zukunft äußerte Schäfer mitunter Sorgen über den schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhalt und schloss seine Ansprache mit einem eindringlichen Appell an die nachfolgenden Generationen: „Eine Gesellschaft lebt nicht von den Zuschauern, die kritisieren, sondern von den Menschen, die anpacken, mitgestalten und damit das Leben für viele Bürgerinnen und Bürger lebenswert machen.“

Ehrenbrief des Landes Hessen für Schäfer. Fotos: Stefan Krug,