Lokales 11.09.2026

Eichenzell würdigt Politiker: Neun Bürger zu Ehrenmitgliedern ernannt

Eichenzell (sk) – Ein herausragendes Stück lebendiger Gemeinde- und Zeitgeschichte stand im Mittelpunkt eines feierlichen Ehrungsabends der Gemeinde Eichenzell im Schlösschen. „Wir haben heute nicht einfach einige Urkunden verliehen, sondern ein Stück kommunalpolitischer Geschichte unserer Gemeinde gewürdigt“, hob Bürgermeister Johannes Rothmund vor den zahlreichen Gästen hervor.

Foto: Stefan Krug.

Im Rahmen des Festaktes wurden neun langjährige und verdiente Mandatsträger, die sich über Jahrzehnte hinweg parteiübergreifend in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hatten, mit hohen Ehrenbezeichnungen ausgezeichnet. Rothmund betonte in seiner Festansprache, dass kommunales Ehrenamt weit über das bloße Abstimmen hinausgehe und viel Freizeit beanspruche: „Das, was die heute zu Ehrenden geleistet haben, lässt sich nicht allein in Sitzungszeiten, Mandatsperioden oder Ausschussmitgliedschaften messen.“ Eröffnet wurde der Abend von Dirk Fischer als Vorsitzendem der Gemeindevertretung, der betonte, einfach nur Danke sagen zu wollen für das lange und zuverlässige Engagement in der Gemeinde zum Wohle der Demokratie.

Johannes Rothmund würdigte die jahrzehntelange Arbeit der Ausgeschiedenen, denen von der Gemeinde eine Uhr überreicht wurde, „um daran zu erinnern, dass sie jetzt mehr Zeit für sich und die Familie haben“. An der Spitze der Auszeichnungen standen die Ernennungen zu Ehrenbeigeordneten. Hierzu zählt Thomas Lang, der für sein 25-jähriges Engagement in der Gemeindevertretung und im Gemeindevorstand gewürdigt wurde. Rothmund lobte dabei vor allem seine „ruhige und sachliche Art“ sowie seine fundierte Fachexpertise im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs. Ebenfalls zum Ehrenbeigeordneten ernannt wurde Gerhard Dehler, der über Jahrzehnte hinweg als „Kümmerer“ und leidenschaftlicher Ortsvorsteher das Gesicht des Kernortes prägte. Eine besonders emotionale und tief persönliche Laudatio hielt der Bürgermeister auf Peter Happ, dessen Erwartungshaltung er augenzwinkernd mit dem väterlichen Motto „Net geschömmt is Lob genuch!“ beschrieb. Seit 1989 gestaltete Happ als Fraktionsvorsitzender, Ortsvorsteher von Büchenberg und insgesamt 15 Jahre lang als Erster Beigeordneter an der Seite von drei Bürgermeistern die Geschicke der Gemeinde. Meilensteine wie das Gewerbegebiet Kerzell, die Vermarktung der Industriebrache Welkers und das kommunale Glasfasernetz sind untrennbar mit seinem Namen verbunden. „Du warst immer für etwas und äußerst selten dagegen, ohne eine eigene Lösung anzubieten! Bleib so wie du bist“, rief Rothmund dem sichtlich Bewegten zu. Zudem war Happ einst derjenige, der den heutigen Bürgermeister bei einer Klausursitzung zu später Stunde für eine Kandidatur in Eichenzell ins Gespräch gebracht hatte.

Für ihren jahrzehntelangen Einsatz in der Gemeindevertretung und den Ausschüssen wurden zudem vier verdiente Bürger zu Ehrengemeindevertretern ernannt. Peter Seufert leitete seit 2011 mit viel Sachkenntnis und „ruhiger, bedachter, aber auch zügiger Sitzungsführung“ den wichtigen Haupt- und Finanzausschuss. Stefan Wassermann brachte über 20 Jahre im Ortsbeirat Löschenrod sowie in der Gemeindevertretung und im Bauausschuss seine berufliche Erfahrung aus dem Hochbau ein und brachte es laut Rothmund immer offen auf den Punkt, „wenn die von der Gemeinde bei Bauvorhaben zu beachtenden Regelungen an die Grenzen des gesunden Menschenverstandes stießen“. Auf fast drei Jahrzehnte ehrenamtliche Arbeit, darunter auch zehn Jahre als Ortsvorsteher, blickt Rüdiger Maluck zurück, der sich als verlässlicher Aktivposten in Löschenrod bleibende Verdienste erwarb. Ein einsamer Rekord an Kontinuität gebührte Ewald Hohmann: Sein Engagement begann bereits im November 1968 – also noch weit vor der hessischen Gebietsreform – in der damaligen Gemeinde Lütter. „Ihr Engagement begann vor der Gebietsreform, setzte sich über die Entstehung der heutigen Gemeinde Eichenzell fort und reichte noch weit darüber hinaus“, würdigte der Rathauschef den Jubilar, der zudem fünf Jahrzehnte das Ortsgericht leitete.

Abgerundet wurden die Ehrungen durch die Ernennung zweier verdienter Persönlichkeiten zu Ehrenmitgliedern ihrer jeweiligen Ortsbeiräte. Walter Liebert wurde für mehr als 40 Jahre ununterbrochene Mitarbeit im Ortsbeirat Büchenberg sowie für seinen unermüdlichen Einsatz in der kirchlichen Kindergartenverwaltung ausgezeichnet. Für ein Vierteljahrhundert kontinuierliche, sachorientierte und stets nach konstruktiven Lösungen suchende Arbeit im Ortsbeirat Rothemann erhielt schließlich Thomas Hofmann die wohlverdiente Urkunde. Johannes Rothmund schloss die feierliche Zeremonie mit einem tiefen Dank an die Familien der Geehrten: „Sie haben unserer Gemeinde Zeit geschenkt. Sie haben Erfahrung eingebracht. Sie haben Verantwortung übernommen. Und Sie haben damit Spuren hinterlassen.“

Von Dirk Fischer mit einem Geschenk verabschiedet wurden Mandatsträger, die in den letzten fünf Jahren ausgeschieden waren. Andreas Blaschke, Martin Schulta und Dr. Hans-Joachim Müller gehörten fünf Jahre der Gemeindevertretung an. Ebenso wie Ingrid Fritsch, die zwei Jahre dem Gremium vorstand. Daniela Schmitt engagierte sich drei Jahre. Ehrhard Kiszner war 25 Jahre lang Gemeindevertreter und bis 2023 22 Jahre lang Ortsvorsteher, wofür er schon zum Ehrenortsvorsteher ernannt wurde. Dieter Kolb war je fünf Jahre im Ortsbeirat und der Gemeindevertretung und Marius Schad zwei Jahre im Gemeindevorstand.

Für die CDU-Fraktion fand Fraktionsvorsitzender Markus Roth dankende und einordnende Worte für die Lebensleistung der Geehrten und Verabschiedeten, deren Einsatz die Gemeinde nachhaltig lebendig und lebenswert gemacht habe. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftlicher Zusammenhalt keine Selbstverständlichkeit mehr sei, seien Menschen, die sich so ausdauernd für andere einsetzen, wichtiger denn je. Roth betonte, dass diese Würdigung stellvertretend für die vielen Ehrenamtlichen stehe, und richtete im Namen seiner Fraktion ein herzliches Wort des Dankes an die Anwesenden im Saal: „Vielen Dank für Ihren Einsatz, Ihre Zeit und Ihr Engagement für unsere Gemeinde Eichenzell.“ Gleichzeitig blickte er zuversichtlich auf die kommenden Jahre der verdienten Kommunalpolitiker und wünschte ihnen weiterhin viel Freude an der Mitgestaltung des Gemeinwesens, „auch wenn dies künftig vielleicht außerhalb eines kommunalpolitischen Mandates geschieht.“

Andreas Maraun (SPD) würdigte die Tätigkeit der Ehemaligen als „Grundlage unseres demokratischen Staates“. Auch durch sie sei es in Eichenzell bisher gelungen, dass „radikale Parteien es bisher nicht gewagt haben, hier anzutreten“. Claus-Dieter Schad (FDP) bestätigte, dass Kommunalpolitik nicht nur Freizeit sei, sondern oft auch Arbeit „auch abends spät und am Wochenende – und das oft mit viel Kritik und wenig Dank“. Christian Meier (Bürgerliste) dankte für die vielen eingesetzten Stunden über viele Jahre: „Ehrenamt ist das ganz wichtige Gut, das unsere Gemeinschaft ausmacht.“ Der Abend klang aus mit angeregten Gesprächen, in denen die Geehrten mit reichlich Anekdoten aus den letzten Jahrzehnten des Eichenzeller Gemeinschaftslebens auch von den schönen Seiten des Ehrenamts berichteten.