Lokales 29.05.2026

Für Verkehrsberuhigung und gegen Windkraft – Einigkeit im Schlösschen

Eichenzell (gü) – Im Grundsatz waren sich die Eichenzeller Gemeindevertreter am Donnerstagabend bei vielen Themen einig. Ob ein Konzept für ein Zentrum für Medizin, Pflege und Familie, Verkehrsberuhigung in der Gersfelder Straße im Ortskern, eine Aussprache gegen Windkraft auf dem Gemeindegebiet oder die Entscheidung für eine „kleine Lösung“ bei der Neugestaltung des Eingangsbereichs des Schlösschens – alle Beschlüsse wurden nach vorheriger Diskussion einstimmig gefasst – teils mit wenigen Enthaltung.

Foto: Jasha Günther.

Die Bürgerliste hatte beantragt, dass die Gemeinde die Entwicklung eines Zentrums für Medizin, Pflege und Familie an einem verkehrlich optimal gelegenen Standort durch einen Investor anstreben soll. „Wir halten das für ein sehr wichtig Infrastrukturprojekt“, sagte Joachim Weber, Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste. Das Gebäude solle eine Kombination aus verschiedenen Nutzungen verfolgen: Arztpraxen, Flächen für Dienstleistungen wie Physio- oder Ergotherapie, Räume für eine Seniorentagespflege sowie für fünf U3-Gruppen in der Kindertagespflege einschließlich eines strukturierten Vertretungsmodells. Die CDU beantragte zunächst die Verweisung an die Fachausschüsse, zog diesen Antrag aber wieder zurück, nachdem sich auf einen Zusatz im Ursprungsantrag geeinigt worden war, dass das Thema durch die Fachausschüsse begleitet werden soll. An der Diskussion hatten sich alle Fraktionen beteiligt, sie waren sie einig, dass in Bezug auf Ärzte in den vergangenen Jahren schon viel erreicht worden sei, und die Idee eines solchen kombinierten Zentrums weiterverfolgt werden soll. Bürgermeister Johannes Rothmund hatte angeregt, die vorhandenen Ärzte in der Gemeinde mit einzubeziehen und darauf verwiesen, dass in Kerzell in der ehemaligen Hausmeisterwohnung mittlerweile eine Tagespflegegruppe eingezogen sei und dort noch Platz für eine weitere sei.

Ebenfalls von der Bürgerliste kam ein Antrag, bei den zuständigen Stellen auf eine Verkehrsberuhigung in der Gersfelder Straße hinzuwirken – konkret auf Tempo 30 zwischen Apotheke und Kulturscheune sowie einen zusätzlichen barrierefreien Fußgängerüberweg. Udo Bauch, vor seiner Wahl in die Gemeindevertretung mehrere Jahre ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Gemeinde, legte ausführlich dar, wie herausfordernd das Queren aufgrund des vielen Verkehrs nicht nur für ältere Menschen oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen sei, und legte auch dar, welche rechtlichen Grundlagen er dafür sieht. Bürgermeister Rothmund verwies auf das derzeit in Arbeit befindliche Verkehrskonzept und kritisierte die begrenzte Zuständigkeit der Gemeinde: „Bund und Land verlagern immer mehr Aufgaben auf die Kommunen, die uns Geld kosten. Da wäre es nur fair, wenn Kommunen innerorts verkehrsrechtliche Anordnungen treffen dürften – auch für übergeordnete Straßen.“

Gleich zwei Anträge lagen zum Thema Windkraft vor. CDU und Bürgerliste hatten jeweils beantragt, sich gegen die Errichtung von Windkraftanlagen in der Gemeinde Eichenzell auszusprechen und diese Haltung auch gegenüber Antragsstellern zu vertreten. Joachim Weber (Bürgerliste) und Dennis Martin (CDU) legten jeweils den Hintergrund dar: Ein Projektierer war im Winter in Rothemann unterwegs. „Es ist keine Grundsatzdebatte über die Energiewende oder den Klimawandel“, hob Martin hervor, sondern es gehe um die Bürger. Mit den großen Photovoltaik-Freiflächenanlagen trage auch die Gemeinde Eichenzell schon ihren Teil bei. „Eichenzell darf keinesfalls zum industriellen Belastungsraum im Landkreis werden“, sagte Claus-Dieter Schad (FDP): „Wer Akzeptanz für die Energiewende schaffen will, muss die Vorbelastung einbeziehen.“ Alfons Schäfer (CWE) schlug vor, einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen zu machen, wenn sich im Grunde alle einig seien, und Andreas Maraun bat noch um den Zusatz, dass die Verwaltung im Jahresturnus über Veränderungen berichten soll, damit der Antrag nicht jedes Jahr aufs Neue gestellt werden müsse. Rothmund hatte nochmal die aktuelle Situation dargelegt, das gesamte Gemeindegebiet sei kein Vorranggebiet und an die Gemeinde direkt sei auch nicht angesprochen worden, er sei selbst verwundert gewesen, dass Leute von dem Projektierer angesprochen worden seien.

Um Photovoltaik im weiteren Sinne ging es auch in einem weiteren Tagesordnungspunkt. Einstimmig wurde der Beschlussvorschlag des Gemeindevorstands abgelehnt, Leerrohre entlang der A7 im Bereich der Talbrücke Welkers zu verlegen, durch die zukünftige Investoren dann ihre Leitungen von gegebenenfalls weiteren entlang der Autobahn entstehenden Freiflächenanlagen zum Umspannwerk im Industriepark Welkers legen können. So könne eine Verlegung quer durch den Ort und das womöglich mehrfach mit entsprechenden Sperrungen verhindert werden, erklärte Rothmund. „Wir wissen heute noch nicht, ob jemals diese Leerrohre genutzt werden würden“, sagte Schäfer und genauso unsicher sei, ob Investoren bereit seien, die dann für die Nutzung geforderten Beträge zu zahlen. Die Investition von rund 600.000 Euro wollte keine der Fraktionen mittragen.

Einig waren sich die Gemeindevertreter auch, dass 340.000 Euro für einen Windfang vor dem Eingangsbereich des Schlösschens deutlich zu viel seien, aber auch das Handlungsbedarf besteht. Die als Spezialanfertigung verbaute 400 Kilo schwere Eingangstür, die von zwei Motoren betrieben wird, ist regelmäßig kaputt. Die Planungen seien ein Beispiel dafür, was für Folgen die Kombination aus allgemeinen Auflagen sowie Auflagen aus den Bereichen Denkmalschutz, Barrierefreiheit und Brandschutz haben, meinte Rothmund: „Das führt dazu, dass pragmatische Lösungen schwer umzusetzen sind.“ Es soll nun nach einer Lösung ohne Anbau gesucht werden. Nach drei Stunden wurde die Sitzung dann entsprechend der Vereinbarung beendet, ohne dass die komplette Tagesordnung abgearbeitet war. Das komplette Thema Bauleitplanung mit 15 Unterpunkten sowie weitere Anträge der Fraktionen und Informationen des Bürgermeisters mussten vertagt werden.

Gemeindevertretersitzung in Eichenzell. Fotos: Jasha Günther