Gefragt waren Konzepte, die gestalterisch überzeugen, innovativ gedacht sind und zugleich Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten optimale Lebensbedingungen bieten – widerstandsfähig gegenüber klimatischen Herausforderungen und mit einem klaren Bekenntnis zur Biodiversität. Genau diesen Anforderungen entsprach der Entwurf von Madleen Herbold: Vier exemplarische Lebensräume für Insekten – Wasser, Gestein, Sand und Totholz – strukturieren die Anlage. „Viele glauben, wenn sie ein Insektenhotel in den Garten stellen, wäre alles getan“, erklärte Martin Staffler, Chefredakteur des Gartenmagazins und Mitglied der Jury: „Aber die allermeisten Arten sind bodenbrütend. Das ist hier sehr schön dargestellt.“
Ein Wasserbecken, recyceltes Pflaster mit breiten Fugen, sandige Bereiche als Nistmöglichkeiten und integriertes Totholz zeigen, wie ökologische Funktion und Gestaltung ineinandergreifen können. Die Grundformen der Pflanzbeete sind wabenförmig angelegt – ein plakatives, aber konsequent durchgehaltenes Motiv, das sich auch vertikal fortsetzt. Namensgebend und konzeptionell prägend sind UV-Fotografien von Blüten, die im Garten auf Acrylglasflächen präsentiert werden. Sie machen sichtbar, was Insekten sehen – und Menschen normalerweise verborgen bleibt. „Mit diesen UV-Fotografien schließt sich der Kreis zum Titel“, erläuterte Staffler. „Der wissenschaftliche Ansatz zeigt den Besuchern eine andere Sichtweise auf die Pflanzenwelt. Dadurch wird hoffentlich der eine oder andere ein nachhaltiges Aha-Erlebnis haben.“ Im Zentrum des Gartens steht ein Pavillon mit einem Rundspiegel über dem Kopf der Besucher. Darin spiegeln sich die vier Lebensräume – und die Besucher werden so selbst Teil des Systems. „Eine hübsche Idee“, so Staffler.
Auch der Sonderpreis der Herbert-Heise-Stiftung würdigte eine herausragende Arbeit. Museumsdirektor Dr. Markus Miller erinnerte an das Vermächtnis des Landschaftsarchitekten Herbert Heise, dessen Stiftung insbesondere die Pflanzenverwendung und die Förderung des Nachwuchses im Landschaftsbau unterstützt. Ausgezeichnet wurde das Konzept „BugScraper City“ von Vivienne Eckert, Victoria Taute und Larissa Kröhling. Der Entwurf interpretiert das Bild einer Skyline neu: In konzentrischen Kreisen angelegt, wachsen im Zentrum „Käferkratzer“ – bepflanzte Hochstrukturen, die an Wolkenkratzer einer US-amerikanischen Großstadt erinnern. Nach außen hin staffeln sich die Lebensräume flacher, mit Sand- und Totholzringen sowie einem angedeuteten Flusslauf als ökologischer Lebensader. „Es war eine sehr enge Entscheidung“, betonte Miller. Beide prämierten Gärten seien aus den 22 Einreichungen klar herausgeragt.
Schirmherrin Floria Landgräfin von Hessen betonte in ihrem Grußwort die besondere Bedeutung des Wettbewerbs: „Es freut mich sehr, dass wir uns alle hier heute treffen – vor allen Dingen, weil wir einen wundervollen Schaugarten für dieses Jahr gefunden haben.“ Der Wettbewerb sei weit mehr als ein gestalterischer Vergleich. „Uns ist es bei den Schaugärten immer wichtig, die Menschen für den Garten zu faszinieren und zu inspirieren“, sagte die Schirmherrin: „Wir müssen diese lebendige Vielfalt in den Vordergrund bringen.“ Mit Blick auf den kürzlich begangenen Tag der Artenvielfalt erinnerte sie daran, dass selbst vermeintlich alltägliche Arten wie der Spatz zunehmend Lebensräume verlieren. „Das liegt daran, weil wir ihnen die Orte wegnehmen. Dazu gehören eben auch Büsche und kleine Lebensorte – unsere Gärten werden immer steriler. Dem wollen wir entgegenwirken.“ Dass sich in diesem Jahr neun Hochschulen mit insgesamt 22 Entwürfen beteiligt haben, wertete sie als starkes Signal: „Es ist uns einfach wichtig, dass diese Gartenvielfalt erhalten bleibt – und dass wir die Menschen motivieren, auch ihren eigenen Garten lebendig zu gestalten.“
Die Gewinnergärten werden nun vom 14. bis 17. Mai im Rahmen des Fürstlichen Gartenfestes realisiert. Mit der diesjährigen Preisverleihung unterstreicht das Fürstliche Gartenfest einmal mehr seinen Anspruch, Gartenkunst, ökologische Verantwortung und gestalterische Innovation zusammenzubringen. „Fliegende Vielfalt“ ist dabei nicht nur ein Motto – sondern ein sichtbares Versprechen an eine lebendige, zukunftsfähige Gartenkultur.
