Alles begann im Jahr 1973, als ein gerade einmal zwölfjähriger Junge den Entschluss fasste, der Jugendfeuerwehr beizutreten. Damals befand sich die Nachwuchsabteilung der Feuerwehr in einer Neuausrichtung – für den jungen Martin Fischer der perfekte Einstieg in eine Laufbahn, die sich später als absoluter Glücksgriff für die gesamte Gemeinde herausstellen sollte.
Vom Jugendwart zum obersten Brandinspektor
Der Blick in seine Vita zeigt eine Bilderbuchkarriere innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr. Bereits im Alter von 19 bis 20 Jahren – so genau könne es Fischer nicht mehr sagen – übernahm der Eichenzeller Verantwortung als Jugendwart. Parallel dazu absolvierte er seine Ausbildung, die den Grundstein für seinen weiteren Weg legte. 1983 folgte die Ernennung zum Wehrführer, bis er schließlich am 7. März 1998 das Amt des Gemeindebrandinspektors übernahm. „Es sind nun fast genau 28 Jahre in dieser Funktion“, resümiert Fischer kurz vor seiner offiziellen Verabschiedung. Dass er das Amt nun niederlegen muss, ist nicht per se eine freiwillige Entscheidung gegen die Feuerwehr, sondern eine Frage der Reglung: Mit Erreichen des 65. Lebensjahres endet laut Vorschrift die Dienstzeit in einer Führungsfunktion wie dem Gemeindebrandinspektor. „Ich habe die Altersgrenze von 65 Jahren auch wirklich vollständig ausgereizt“, schmunzelt der heute 64-Jährige. Passenderweise feiert er seinen 65. Geburtstag nur zwei Tage nach dem Abschied.
Quantensprünge und steigende Einsatzzahlen
Wenn Fischer auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblickt, stellt er vor allem eines fest: Die Feuerwehr hat sich positiv gewandelt. „Die technischen Entwicklungen sind riesig, eigentlich sind es Quantensprünge im Vergleich zu früher“, erklärt der Familienvater. Nicht nur das Equipment, auch die Intensität der Arbeit hat zugenommen. Erinnert er sich an früher, so gab es schätzungsweise 30 bis 50 Einsätze im Jahr. Ein Blick in die Statistik verdeutlicht das Wachstum: Im Jahr 2006 waren es bereits 141 Alarmierungen, während das Jahr 2025 mit 272 Einsätzen zu Buche schlug. Dass diese Zahlen so in die Höhe geschnellt sind, begründet der Profi ganz sachlich mit dem Wachstum der Region: „Es gibt heute deutlich mehr Industriegebiete als früher und auch die Gemeinden selbst sind stetig gewachsen.“ Trotz der enormen Verantwortung und des zeitintensiven Ehrenamtes empfand er selten negativen Stress. Sein Erfolgsrezept über die Jahrzehnte hinweg: „Die Familie muss voll dahinterstehen und man muss sich seine Zeit gut einzuteilen.“
Einsätze zwischen Tragik und Kuriosität
In über fünf Jahrzehnten bleiben Erlebnisse hängen, die einen nicht so schnell loslassen. Einer der schweren Momente seiner Karriere war ein tödlicher Unfall, bei dem er einen eigenen Arbeitskollegen aus einem Fahrzeugwrack befreien musste. „Das war schwierig, besonders weil wir erst 30 Minuten vor dem Vorfall noch miteinander gesprochen hatten“, erinnert sich Fischer. Für ihn war es wichtig, die Fälle nach dem Einsatzende nicht mit nach Hause zu nehmen: „Das gehört zum Beruf dazu, Emotionen muss man manchmal hintenanstellen.“ Er betont in diesem Zusammenhang jedoch, wie wichtig die heute etablierte Nachsorge und psychologische Betreuung für Einsatzkräfte ist. Man schaue heute genauer hin, ob Kollegen von Erlebtem mitgenommen sind. „Den harten Mann zu spielen, bringt am Ende niemandem etwas.“ Heutzutage sei die Betreuung für Einsatzkräfte in diesem Thema bedeutend weiter als früher.
Doch es gab auch die Momente, die Fischer mit Freude erfüllten. Wenn sich Menschen nach schweren Unfällen persönlich beim Team bedanken, gebe das etwas Positives zurück. „Man arbeitet nicht für den Ruhm, aber die Anerkennung der Betroffenen ist etwas Besonderes.“ Auch kuriose Tierrettungen gehören zu seinen Anekdoten: Erst vergangenes Jahr galt es, einen Biber einzufangen, der frühmorgens vor einer Bäckerei auftauchte. Ein anderes Mal musste ein Marder befreit werden, der im Geländer einer Schule feststeckte – hier erwies sich gewöhnliche Margarine als das entscheidende Hilfsmittel. „Manche mögen solche Einsätze als unnötig empfinden, aber auch dafür sind wir eben da.“
Ein Abschied ohne Wehmut
Nun ist für Martin Fischer die Zeit gekommen, die Uniform des Gemeindebrandinspektors an den Nagel zu hängen. Wehmütig blickt er dem Wochenende jedoch nicht entgegen: „Es ist Zeit zu gehen.“ Er habe seine Aufgabe stets als Berufung gesehen. Auf die Frage, ob der Abschied am Wochenende sehr emotional für ihn wird, bleibt er gewohnt gelassen: „Ich bin eigentlich gar nicht emotional.“ Ganz von der Bildfläche verschwinden wird er sicher nicht. Zwar möchte er keine feste Verantwortung mehr tragen, verspricht aber: „Wenn Fragen aufkommen, stehe ich natürlich weiterhin mit Rat und Tat zur Seite.“
