Lokales 11.06.2026

„Wirtschaftliche Entscheidung“: Blumen-Hartung schließt schrittweise

Rothemann/Horas (sim) – Blumen-Hartung ist ein Familienbetrieb, der seit Jahrzehnten fest in Rothemann und Fulda-Horas verwurzelt ist. Ein Betrieb zwischen Gärtnerei und Floristik, zwischen Gewächshäusern, Verkaufsräumen und Blumen für jede Lebenslage – von der Hochzeit bis zum letzten Abschied. Nun steht dieses Stück Unternehmensgeschichte vor dem Ende: Inhaber Stephan Urban hat gegenüber der Osthessen-Zeitung die schrittweise Schließung angekündigt.

Fotos: Christine Görlich.

Betroffen sind sowohl der Standort Rothemann als auch das Geschäft in Horas. Es ist eine Entscheidung, die nicht über Nacht gefallen sei, sagt Urban – sondern sich über Jahre aufgebaut habe, Schicht für Schicht, wie Erde, die sich langsam verdichtet.

„Das ist kompliziert“, sagt er. Eigentlich habe er ursprünglich nur geplant, Horas zum Jahresende zu schließen, um sich stärker auf Rothemann zu konzentrieren. Doch die Realität habe ihn eingeholt. Der organisatorische Aufwand, die wirtschaftliche Entwicklung, die Veränderungen im Alltag des Betriebs – all das habe am Ende keinen anderen Schluss zugelassen. „Ich habe festgestellt, dass unsere Floristik sich ohne die Gärtnerei nicht trägt.“

Auch das Umfeld habe sich verändert. Früher seien Blumen Teil vieler alltäglicher Rituale gewesen – heute würden sie häufiger direkt im Supermarkt mitgenommen. Dazu komme die Lage des Betriebs, die viel Logistik erfordere. „Am Ende sehe ich, was hier an Ware stehen bleibt – und ich wollte nicht warten, bis mir jemand sagt, dass ich insolvent bin. Deswegen ist das eine wirtschaftliche Entscheidung, dem zuvorzugreifen“, sagt Urban.

Der Betrieb selbst trägt eine lange Geschichte in sich. 2023 übernahm Urban ihn von seiner Mutter, gegründet wurde er bereits 1953 von seinem Großvater als kleiner Samenhandel. Aus diesem Anfang sei über Jahrzehnte ein klassischer Familienbetrieb gewachsen – mit Gewächshäusern, Kundenbeziehungen und festen Abläufen. Doch die Zeit habe Spuren hinterlassen.

„Die Tendenz war einfach nicht gut“, sagt Urban. Besonders Bereiche wie Balkonbepflanzung, Friedhofsfloristik oder Kirchendekorationen seien spürbar zurückgegangen. Vieles, was früher selbstverständlich gewesen sei, sei heute leiser geworden – weniger gefragt, weniger stabil. Am Ende bleibe zu wenig, um den Betrieb in seiner ganzen Struktur zu tragen.

Die Entscheidung beschreibt Urban als inneren Spannungszustand. „Es ist eine zweischneidige Sache. Einerseits tut es weh, andererseits ist es auch eine Erleichterung“, sagt er. Der Betrieb laufe inzwischen gemeinsam mit seiner Frau – ein Alltag, der viel Kraft fordere und kaum Pausen kenne.

Die Umsetzung erfolgt nun Schritt für Schritt: In Rothemann wird die Floristik zum 27. Juni 2026 eingestellt, die Gärtnerei soll eingeschränkt noch bis 31. Juli 2026 weitergeführt werden. In Horas bleibt der Blumenladen bis Weihnachten geöffnet. Kurzfristige Änderungen der Öffnungszeiten seien möglich.

Ursprünglich sei ein schnelleres Ende in Horas vorgesehen gewesen. Nun soll dort zumindest den Mitarbeitenden mehr Zeit geben, sich neu zu orientieren. „Alleine geht das einfach nicht mehr. Wenn Dinge wegfallen, kommt nichts nach“, sagt Urban. Auch im Alltag der Kunden ist der Wandel längst angekommen – und doch für viele überraschend. Menschen bleiben stehen, fragen nach, reagieren irritiert. „Alle denken, das läuft hier noch – aber so ist es nicht mehr“, sagt Urban.

Trotz allem bleibt auch ein anderer Gedanke: der Wunsch nach Entlastung, nach einem neuen Rhythmus, vielleicht auch nach mehr Zeit für die Familie. Etwas, das in den Jahren zuvor oft zu kurz gekommen ist. „Die Kurzfristigkeit war nicht beabsichtigt, äußere Umstände haben zu dieser Entwicklung geführt“, heißt es abschließend auf der Homepage.