Zwei absolute Traumtore sollten im Finale letztendlich den Unterschied machen: Nach einer knappen halben Stunde – und einem durchaus nervösen Beginn der TSG – kombinierten sich die Lütterer über die rechte Seite nach vorne. Maienschein kam an den Ball und hämmerte das Spielgerät aus über 20 Metern ins linke Kreuzeck – die zu diesem Zeitpunkt (29.) verdiente Führung für Lütter, da die Elf von Sascha Bönte nach den Startschwierigkeiten immer besser ins Spiel fand. „Das muss man erstmal so machen in so einem Spiel“, lobte auch Trainer Sascha Bönte: „Das muss man sich mal vorstellen, der Junge ist 18 Jahre und spielt noch A-Jugend. Und jetzt trifft er in jedem Relegationsspiel. Das ist ein brutaler Junge.“ Bereits zuvor hätten Kapitän Florian Schertell und insbesondere Vincent Pappert die TSG in Führung bringen können, Pappert scheiterte nach knapp 20 Minuten erst an FSG-Keeper Pierre Raschke, ehe Vogelsberg Papperts Nachschuss gerade noch so von der Linie kratzen konnte. Kurz vor der Pause war Raschke dann allerdings erneut chancenlos: Mario Schlott machte es Maienschein mustergültig nach und brachte seine Farben mit dem nächsten Traumtor auf die Siegerstraße. Erst ließ er einen Gegenspieler auf der rechten Seite aussteigen, legte sich den Ball auf seinen schwächeren linken Fuß und traf ebenfalls in den Winkel (42.). „Am Anfang war es etwas Tohuwabohu, aber danach hatten wir die totale Spielkontrolle. Insgesamt war das hochverdient“, befand Bönte.
Von der FSG um Spielertrainer Fabian Lehmann kam insbesondere im Spiel nach vorne insgesamt zu wenig: In der ersten Halbzeit kam Vogelsberg lediglich zu zwei gefährlicheren Abschlüssen, beide vergab Dominik Szombierski (5., 37.). Erst nach dem Wiederanpfiff und angesichts des Zwei-Tore-Rückstands intensivierte die FSG die Offensivbemühungen – Vogelsberger Chancen waren jedoch weiterhin Mangelware, ganz im Gegenteil: Kurz nach Wiederanpfiff hätte die TSG durch Maxim Koch und Florian Schertell bereits den Deckel drauf machen können. Koch wurde jedoch geblockt, und Kapitän Schertell verpasste den Kasten um wenige Zentimeter (48.). Auf der Gegenseite traf der eingewechselte Alpha Balde nach einer Ecke per Kopf nochmal den Pfosten, viel mehr passierte vor dem Kasten von Lütters Keeper Marius Arnold jedoch nicht.
„Wir haben nach der Pause das Spiel kontrolliert und Konter gesetzt. Ich hatte dennoch zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, dass wir dem 3:0 näher waren als Vogelsberg dem Anschluss“, befand der TSG-Coach und sollte Recht behalten: Florian Schertell beseitigte mit einem schnellen Doppelpack jegliche Restzweifel. Nach knapp 80 Minuten nutzte Schertell einen kapitalen Fehler im Spielaufbau der FSG aus und stellte auf 3:0, wenig später legte der TSG-Spielführer nach einem langen Ball und einer schönen Einzelaktion den vierten Treffer nach – bereits vor dem Abpfiff kannte der Jubel beim Lütter-Anhang neben dem Spielfeld keine Grenzen, nach dem Schlusspfiff stiegen dann auch die Spieler und das Trainerteam mit ein – bei Sascha Bönte selbst werden die Feierlichkeiten jedoch nicht ausarten, denn der TSG-Coach ist am Freitag arbeitstechnisch auf dem Hessentag unterwegs. „Ich weiß deswegen gar nicht so genau, was geplant ist. Aber die Jungs werden sich da schon etwas einfallen lassen“, schmunzelte der Trainer.
Respekt verdiente sich im Übrigen auch die SG Rückers, die das Endspiel ausrichtete: Erst am späten Mittwochabend stand fest, dass das Finale überhaupt ausgetragen werden muss – hätte die SG Eiterfeld/Leimbach in der Verbandsliga die Klasse gehalten, hätte dasselbe für Vogelsberg in der Gruppenliga gegolten und auch Lütter wäre automatisch aufgestiegen. Durch die Niederlage der SGEL gegen Grebenstein nach Verlängerung waren beide Teams jedoch gefordert – und die SGR organisierte innerhalb von weniger als 24 Stunden die Ausrichtung des Endspiels, mit allem was dazu gehört. Trotz nur einer Zugangsstraße zum Sportgelände war die Parkplatzsituation clever gelöst, die fast 2000 Zuschauer kamen auch abseits des Sportlichen voll auf ihre Kosten. „Das hat Rückers wirklich überragend gemacht, der Platz war super hergerichtet und auch das Parken war gut gelöst. Ein ganz großes Lob", so Bönte abschließend.
Vogelsberg: Raschke; Schaaf, Bourscheidt, Geist, Szombierski, Caspar, Hansel, Ruhl, Lehmann (62. Balde, Nettbohl, Wink (46. Westerholt)
Lütter: Arnold; Dechant, Rehm, Kremer, Schertell, M. Pappert, Maienschein (84. Müller), Burkard, V. Pappert (60. Schramm), Koch (51. Muth, 82. Münkel), Schlott (73. Höhl)
Schiedsrichter: Felix Weber (Oberkalbach)
Tore: 0:1 Noah Maienschein (29.), 0:2 Mario Schlott (41.), 0:3 Florian Schertell (78.), 0:4 Florian Schertell (81.)
Zuschauer: 1800
