Mehr als eine Stunde wurde darüber diskutiert. Claus-Dieter Schad (FDP) hatte beantragt, durch den Gemeindevorstand beschlossene Verlängerungen des Mähzyklus, um rund zwei Wochen, zurückzunehmen. Dadurch würden laut Bürgermeister Johannes Rothmund rund 30.000 Euro, die bisher an Fremdfirmen gezahlt wurden, eigespart. Die Diskussion eskalierte zu „einer kleinen Haushaltsdebatte“, so Andreas Maraun (SPD), in der Joachim Bohl (CDU) und Joachim Weber (Bürgerliste) sich gegenseitig vorwarfen, „unredlich“ zu argumentieren. Zwischenzeitlich hatte Weber beantragt, den FDP-Antrag um ein umfassendes Konzept zu Einsparungen zu erweitern. Diesen Antrag nahm er später zurück, er wird in der nächsten Sitzung gesondert abgehandelt. Es verblieb ein Antrag der Bürgerliste, die 30.000 Euro „durch andere Maßnahmen zu finanzieren“, welcher durch die CDU, bei Enthaltung aller anderen Fraktionen außer der Bürgerliste, abgelehnt wurde. Auch der FDP-Antrag bekam keine Mehrheit – bei einigen Enthaltungen stimmten CDU und SPD dagegen.
Es hatte nicht geholfen, dass Claus-Dieter Schad mehrfach darauf hingewiesen hatte, dass es in dem Antrag nur darum ging, insbesondere die Friedhöfe als „Orte der Würde und Pietät“ künftig nicht „sichtbar ungepflegter erscheinen“ zu lassen: „Gepflegte Grünflächen prägen das Erscheinungsbild einer Gemeinde. Sie stehen für Lebensqualität, Ordnung und Wertschätzung gegenüber Bürgerinnen und Bürgern.“ Simon Jestädt (CDU) wies darauf hin, dass im Haushalt Einsparungen im entsprechenden Bereich beschlossen sind – darauf habe seine Partei schon in den damaligen Beratungen hingewiesen – und jetzt die Konsequenzen kritisiert würden: „Wir haben eine Ausgabeproblem. Vor Ort sind die Bürger nicht begeistert, aber man findet Akzeptanz.“ Joachim Weber forderte daraufhin, an einem Gesamtkonzept anzusetzen. Es störe ihn, wenn mit den kleinen Dingen angefangen werde, und die großen Brocken – hier nannte er unter anderem Investitionen in einen Grünschnittplatz, den Eingang zu m Schlösschen, Smart-City Berater – nicht angefasst würden. Die Forderung nach einem vorherigen Gesamtkonzept bedeute: „Wir als Gemeindevertretung werden beteiligt, wann und wo wir sparen.“
Ab hier fand es Andreas Maraun „faszinierend“, wie aus einem Antrag zur Grünflächenpflege „eine kleine Haushaltsdebatte“ werde: „Wir können auch eskalierend.“ Er wünschte weiter, die von Weber beantragte Verknüpfung der Anträge zum Grünflächenschnitt und einem allgemeinen Einsparungskonzept wieder aufzuheben. Gemeindevertreter könnten zu den Punkten unterschiedlicher Ansicht sein. Weber zog die Erweiterung später zurück – da die Tagesordnung nicht ganz geschafft wurde, wird sie in der nächsten Sitzung weiterbehandelt. Erst spät kam Bürgermeister Johannes Rothmund zu Wort, der auf die beschlossenen Einsparungen nochmals hinwies. In der Verlängerung der Mähzyklen um rund zwei Wochen sah er durchaus auch Vorteile. Höherer Rasen sei resilienter als Starkregenschutz und fördere die Biodiversität. Bevor es zur Abstimmung kam, warf erst Johannes Bohl Weber Unredlichkeit vor, da dieser in seiner Rede den schon abgelehnten Neubau im Eingangsbereich des Schlösschens der CDU vorgeworfen hatte, was Weber mit „sich die Realität so zu legen zu legen, wie sie einem passt – das ist unredlich“ gegenüber Bohl konterte.
Vor diesem Tagesordnungspunkt gab es noch große Einmütigkeit in der Sitzung: Einstimmig wurde der CWE-Forderung nach einem gemeinsamen Ortstermin aller beteiligten Behörden und der gewählten Vertreter aus Gemeindevertretung und Ortsbeirat zugestimmt, um eine Versetzung des Ortsschilds in Rothemann Ortsausgang Richtung Fulda um 200 Meter, sowie eine Bedarfsampel in diesem Bereich, zu erreichen. Alfons Schäfer nannte den Ort „die größte Gefahrenstelle der Gemeinde“. Die Verkehrsbehörde habe zwar erklärt, die Voraussetzungen dazu seien nicht erfüllt – dies sei aus seiner Sicht aber falsch: „Wir haben stets darauf hingewiesen, dass viele Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit in den Ort einfahren“. Die täglich zehn- bis zwölftausend Fahrzeuge, im Falle von Baumaßnahmen an der A7 auch doppelt so viele, seien bei Messungen zu siebzig Prozent zu schnell im Ortseingangsbereich gewesen - mit bis zu 80 Stundenkilometern: „Wenn selbst die vorliegenden Messungen kein Anlass zum Handeln sind, entsteht der Eindruck, dass die Sicherheit unserer Bürger nicht mit der nötigen Dringlichkeit behandelt wird. Diese solle an erster Stelle stehen und nicht Paragrafen und Verwaltungsvorschriften.“
Auch die Nichtanwendung des “Bauturbo”, einem von der Bundesregierung beschlossenen Gesetz zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, wurde mit übergroßer Mehrheit beschlossen. Bürgermeister Johannes Rothmund hatte dies damit begründet, dass in Eichenzell fast überall neue Bebauungspläne vorlägen, womit Planungssicherheit für schnelle Genehmigungen geschaffen wurde. Das Gesetz sollte ursprünglich den Neubau in „Wohnungsbaumangelgebieten“ beschleunigen, was für Eichenzell nicht zutreffen würde. Auch stellte er in Frage, ob die dadurch mögliche beschleunigte Bebauung im Außenbereich im Sinne der Gemeinde sei, welche eher eine Nachverdichtung der Ortskerne wünsche. Einzig die SPD stimmte für die Anwendung, wodurch die Gemeindevertretung dann Bebauungsplanabweichungen unbürokratisch durch einfachen Beschluss genehmigen könnte. Dazu Andreas Maraun: „Es geht darum, Ausnahmen zuzulassen, es geht um Freiheit. Warum sollen wir Regelungen aus der Hand geben, bevor wir sie ausprobiert haben?“.
Ebenso einstimmig, nach der Besprechung in den Ausschüssen meist ohne weitere Diskussion in der Gemeindevertretung, wurde die Aufstellung oder Beschlussfassung zu einem halben Dutzend Bebauungsplänen genehmigt. Hier sollen meist vorhanden Pläne für schon bebaute Flächen vereinheitlich und auf neuen Stand gebracht werden. Keinen Widerspruch gab es ebenso zu drei Wegeeinziehungsverfahren. Die „Hundsgasse“ in Lütter sowie der außerörtliche Bereich der „Feldstraße“ in Döllbach sollen zukünftig nur noch als Geh- und Fahrradweg ausgewiesen sein. Beide befinden sich in sehr schlechtem baulichem Zustand und müssten ansonsten teuer grundhaft erneuert werden. Im Westen vom Kernort Eichenzell soll ein 80 Quadratmeter großer, nie bebauter Grünstreifen entwidmet werden.
