Gegründet wurde die Praxis im Januar 2020 – mitten in der Corona-Pandemie. Ein offizielles Eröffnungsdatum gibt es bis heute nicht. „Wir wussten am Anfang gar nicht, wann wir überhaupt richtig öffnen und Frauen in unseren Räumlichkeiten empfangen dürfen“, erinnert sich Geschäftsführerin und Hebamme Monique Hehn. Viele Angebote fanden zunächst hybrid oder vollständig online statt. „Da saß man selbst ganz alleine in einem riesigen Kursraum und hat in den Computer gesprochen. Der Start war wirklich das Schwierigste – gerade mit all den damals ständig wechselnden Richtlinien.“
Was zunächst aus der Not heraus entstand, hat sich bis heute bewährt. Auch fünf Jahre später laufen viele Kurse online oder hybrid. „So können sich Familien flexibel zuschalten“, erklärt Hehn. Dadurch ist die Reichweite der Praxis ungewöhnlich groß: Neben Teilnehmenden aus der Region nehmen auch Frauen aus Ostfriesland oder sogar aus München an den Angeboten der „Kleinen Wiege“ teil.
Besonders gefragt sind Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse. Darüber hinaus bietet die Praxis unter anderem Kinderkurse, Erste-Hilfe-Angebote und Yoga an. „Wir begleiten Frauen und Paare vom ersten Moment der Schwangerschaft bis etwa zum zweiten Lebensjahr des Kindes“, so Hehn. Viele dieser Angebote würden in Krankenhäusern heute nicht mehr stattfinden. „Dafür gibt es dann uns als Praxis. Frauen holen sich bei uns von Anfang an die wichtigsten Informationen rund um Schwangerschaft und Elternschaft.“
Trotz eines spürbaren Geburtenrückgangs ist die Nachfrage nach Hebammenleistungen weiterhin hoch. Konkurrenzdenken spiele in der Branche kaum eine Rolle. „Wir sind eigentlich alle randlos ausgelastet. Arbeitslos wird keine Hebamme – wir haben eher zu wenige“, sagt Hehn. Gleichzeitig erhielten viele Frauen Absagen, weil Kapazitäten fehlen. Erschwerend komme hinzu, dass bundesweit und auch im regionalen Umfeld immer mehr Geburtsstationen schließen. „Eichenzell und Fulda sind aktuell noch vergleichsweise gut aufgestellt, aber je mehr Angebote zentralisiert werden, desto schwieriger wird die Versorgung.“
Zusätzlich prägen politische und strukturelle Rahmenbedingungen die Arbeit. Der sogenannte Hebammenhilfevertrag regelt bundesweit, welche Leistungen Hebammen abrechnen dürfen und wie diese vergütet werden. Seit November 2025 gelten hier neue Vorgaben. „Einige Bereiche werden jetzt besser bezahlt, je nach Sparte. Das hat positive, aber auch negative Seiten“, erklärt Hehn. Für die Praxis bedeutet das eine Umstrukturierung der Arbeit. Dennoch bleibt das Team stabil: Aktuell arbeiten sieben Hebammen in der „Kleinen Wiege“, bewusst in einer kleinen, regional verankerten Praxis.
Trotz aller Herausforderungen überwiegt für Hehn die Begeisterung für den Beruf. „Hebamme zu sein ist einzigartig. Man erlebt mit, wie Paare zu Eltern werden, und sieht Kinder, kleine Menschen, aufwachsen. Das sind einfach bezaubernde Momente.“ Zum Jubiläum richtet sie deshalb auch einen persönlichen Dank an die Familien der Region: „Ich möchte mich bei allen bedanken, die uns in den vergangenen fünf Jahren ihr Vertrauen geschenkt haben. Ohne sie wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen.“
Gleichzeitig wünscht sich Hehn langfristig mehr Wertschätzung für die Arbeit von Hebammen – nicht nur in akuten Phasen rund um Schwangerschaft und Geburt, sondern dauerhaft. Das fünfjährige Bestehen der „Kleinen Wiege“ zeigt, wie wichtig niedrigschwellige, regionale Angebote für Familien sind. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel, Geburtenrückgang und strukturellen Veränderungen im Gesundheitswesen bleibt die Arbeit von Hebammen ein zentraler Baustein der Versorgung – auch in der Region Eichenzell und Fulda.
