Organisiert wurde der Termin von Dieter Kolb aus Rothemann. Zum Auftakt erläuterte Haberl seine Zuständigkeiten: Er ist von der Gemeinde mit der Betreuung des Gemeindewaldes Eichenzell beauftragt. Als Förster ist er behördlich zuständig; im Landeswald trägt er zusätzlich betriebswirtschaftliche Verantwortung. Darüber hinaus kann er – sofern beauftragt – auch für Kommunen, Privatwaldbesitzerinnen und Privatwaldbesitzer oder Genossenschaften betriebswirtschaftlich tätig werden.
Grundlage der Begehung war die Richtlinie zum klimaangepassten Waldmanagement mit ihren zwölf Kriterien. Anhand des vorliegenden Papiers erklärte Haberl anschaulich, was diese Punkte konkret bedeuten: Naturverjüngung vor künstlicher Pflanzung, standortheimische und klimastabile Baumarten, der Verzicht auf Kahlschläge, die Förderung von Totholz zur Stärkung der Biodiversität sowie die Ausweisung von Habitatbäumen. Immer wieder verwies er auf konkrete Flächen im Gemeindewald, auf denen diese Maßnahmen bereits umgesetzt werden.
Beim Rundgang ging es insbesondere um den Aufwuchs junger Bäume und die Frage, welche Baumarten künftig eine tragende Rolle spielen sollen. Mischbestände mit klimaresilienten, standortgerechten Arten seien entscheidend, um Stabilität zu erreichen. Deutlich angesprochen wurde auch die Problematik des Wildverbisses: Ein zu hoher Wildbestand gefährde die natürliche Verjüngung und erschwere den dringend notwendigen Waldumbau erheblich. Haberl erläuterte zudem, was unter „Pflege“ im forstlichen Sinne zu verstehen ist – nämlich gezielte Eingriffe zur Stabilisierung und Förderung zukunftsfähiger Bestände. Die Schwierigkeit liege im Spannungsfeld zwischen ökologischen Anforderungen, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und praktischer Umsetzung.
Die Atmosphäre während der Begehung war entspannt und offen; es wurde rege gefragt und diskutiert. „Unser Wald ist Lebensraum, Klimaschützer und Erholungsort zugleich. Es ist wichtig, dass wir uns vor Ort ein eigenes Bild machen und die Zusammenhänge verstehen“, betonte Dieter Kolb. Für die Bürgerliste ist der Wald ein zentrales Zukunftsthema für den Naturschutz auf kommunaler Ebene. Nachhaltigkeit und Naturschutz würden ihre Arbeit seit jeher begleiten – sei es beim Einsatz für Blühwiesen, bei der kritischen Auseinandersetzung mit der Verwendung von Glyphosat im Gemeindegebiet, bei nachhaltigen Baugebieten, beim Thema Lichtverschmutzung, beim Lärmschutz oder beim Hochwasserschutz. Die Waldbegehung habe eindrucksvoll gezeigt: Naturschutz beginne vor Ort – und er brauche Sachverstand, Dialog und klare politische Prioritäten.
