Lokales 21.08.2026

Zehn Jahre rhöncloud: Aus der Garage zum Zukunftsunternehmen

Eichenzell (jah) – Zehn Jahre rhöncloud – das ist für Geschäftsführer Manuel Bittorf ein Grund zum Feiern, aber vor allem ein Grund, Danke zu sagen. Am Freitagabend kamen am Eichenzeller Wartturm Kunden, Geschäftspartner, Wegbegleiter und Vertreter aus Politik und Wirtschaft zusammen, um das Jubiläum des regionalen Cloud-Anbieters zu feiern. Mit dabei waren unter anderem Hessens Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus, Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Johannes Loheide, Landrat Bernd Woide, Landtagsabgeordneter Sebastian Müller und Stefan Kremer von Eintracht Frankfurt.

Von links: Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Johannes Loheide, Eichenzells Bürgermeister Johannes Rothmund, Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus, rhöncloud-Geschäftsführer Manuel Bittorf und Landtagsabgeordneter Sebastian Müller. Foto: Janosch Hensel

Auf eine klassische Präsentation verzichtete Bittorf bewusst. „Wir wollten heute mit Absicht mal sehr analog halten, obwohl wir ein vollwertiges Digitalunternehmen sind“, sagte der Geschäftsführer mit einem Augenzwinkern. Statt Folien und Zahlen stand an diesem Abend das persönliche Miteinander im Mittelpunkt. „Wir haben es geschafft, die zehn Jahre zu überstehen. Wir sind noch da und haben natürlich auch noch ein paar Ambitionen, noch länger zu bleiben“, betonte Bittorf. Der Abend solle deshalb vor allem den Menschen gehören, die den Weg des Unternehmens begleitet haben: „Ohne euch wären wir heute nicht an der Stelle, wo wir gerade stehen. Deshalb herzlichen Dank.“

Dabei blickte Bittorf auch auf die Anfänge zurück. Sein Weg in die Selbstständigkeit habe bereits vor 15 Jahren begonnen, zunächst mit dem Schrauben an Computern bei seinen Eltern in der Garage. Vor zehn Jahren sei dann die Idee entstanden, die IT von morgen mitzugestalten. „Die letzten zehn Jahre sind fast wie im Flug vorbeigegangen“, sagte der Geschäftsführer. Natürlich habe es auch schlaflose Nächte und schwierige Phasen gegeben. „Aber wir haben uns durchgeboxt.“ Heute beschäftigt sich rhöncloud längst mit deutlich größeren Projekten. In Eichenzell entsteht ein eigenes Rechenzentrum, dessen Inbetriebnahme Bittorf für die kommende Zeit ankündigte. „Ich glaube, dass wir in einem halben Jahr nicht hier, aber ein paar Meter weiter in Eichenzell stehen und die Inbetriebnahme unseres Rechenzentrums feiern“, sagte er. Sein Ziel: „Die Digitalisierung in Hessen gestalten.“

Für Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus ist rhöncloud dafür ein Beispiel, wie digitale Zukunft auch abseits großer Ballungsräume entstehen kann. „Ich glaube, das habt ihr euch verdient“, sagte die Ministerin mit Blick auf das zehnjährige Bestehen. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten sei es wichtig, „IT-Systeme zu haben, die von Menschen entwickelt werden, die ihre Regionalität nicht verstecken, sondern als Stärke und USP entwickeln wollen“. Das Land Hessen ist dabei längst mehr als politischer Begleiter. Über das Förderinstrument HessenFonds fließen nach Angaben der Ministerin mehr als zehn Millionen Euro in die Zukunft des Unternehmens. Zudem ist die Hessische Zentrale für Datenverarbeitung (HZD) Kunde von rhöncloud. „Wir sind nicht nur Partner im Sinne von politischer Rahmengeber, wir sind tatsächlich jetzt auch ein bisschen Investor“, sagte Sinemus. Für sie geht es dabei um weit mehr als den Aufbau eines einzelnen Rechenzentrums. „Das müssen wir weiter fördern, denn nur so werden wir am Ende des Tages auch europäische digitale Souveränität haben“, sagte die Ministerin. Gerade die Verbindung aus regionaler Verwurzelung, Unternehmertum und Vertrauen sei entscheidend. „Wenn wir etwas brauchen in Europa, ist es nicht nur eine digitale Souveränität, sondern es ist auch Wettbewerbsfähigkeit eines starken Marktes.“

Auch Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Johannes Loheide stellte die Bedeutung des Projekts heraus. „Das Entscheidende ist, dass wir genau das schaffen, diesen Fall aufzunehmen und das dann tatsächlich in eine ideale Unterstützung zu bringen“, sagte er mit Blick auf die Zusammenarbeit verschiedener Akteure. Der HessenFonds stelle dafür eine Milliarde Euro an Kapital für zinsvergünstigte Darlehen und Beteiligungen bereit. Loheide sieht in rhöncloud zudem einen wichtigen Baustein für ein regionales digitales Ökosystem. „Das eine ist, Rechenkapazität bereitzustellen. Das andere ist: Was passiert eigentlich?“, sagte er. Genau solche Unternehmen könnten dazu beitragen, Wertschöpfung und Zukunftsperspektiven in der Region zu schaffen. Sein Fazit zum Jubiläum fiel entsprechend kurz und herzlich aus: „Chapeau für das, was Sie aufgestellt haben.“

Wie wichtig die Partnerschaft mit einem regionalen Cloud-Anbieter sein kann, machte anschließend Stefan Kremer, CTO des Eintracht-Tochterunternehmens stackwork, in einem Impulsvortrag deutlich. Anhand der digitalen Infrastruktur von Eintracht Frankfurt zeigte er, wie stark sich die Anforderungen an Cloud-Systeme innerhalb weniger Stunden verändern können. Als Beispiel nannte Kremer den Verkauf eines neuen Trikots: Rund um die Veröffentlichung eines neuen Produkts könne die Nachfrage plötzlich massiv steigen. „Wir brauchen die Elastizität dieser Cloud. Wir brauchen mehr Kapazität“, erklärte er. Genau dort liege die Stärke eines zuverlässigen Partners. Dabei gehe es für ihn nicht nur um Technik. „Wenn der Manuel gesagt hat, wir sind da, dann war jemand da und der hat sich gekümmert“, sagte Kremer über die Zusammenarbeit mit rhöncloud. „Und in dem Moment unterscheidet sich das Thema Dienstleistung von einem Partner. Und das ist ganz essenziell für uns.“ Zum zehnjährigen Bestehen hatte Kremer schließlich noch ein besonderes Geschenk dabei: Das neue Heimtrikot von Eintracht Frankfurt mit der Nummer zehn. Die Zahl passe schließlich nicht nur zum Jubiläum, sondern auch zum Fußball. „Die Zehn ist der Spielmacher im Fußball. Das ist derjenige, der die Leute in Form bringt, der den richtigen Pass spielt und dafür sorgt, dass das Ganze funktioniert“, sagte Kremer. 

So wurde aus dem Firmenjubiläum am Eichenzeller Wartturm nicht nur ein Blick zurück auf zehn Jahre Unternehmensgeschichte, sondern vor allem ein Abend über Partnerschaft, Vertrauen und gemeinsame Pläne. Und für rhöncloud steht fest: Nach zehn Jahren soll längst noch nicht Schluss sein.

Zehn Jahre rhöncloud. Fotos: Janosch Hensel