Lokales 03.04.2026

Ostern im Visier: Mit Pfeil und Bogen auf Ostereierjagd

Eichenzell – Von Silas Messing – Ein leises Surren lag in der Luft, dann ein dumpfes „Plopp“ – der Pfeil traf. Nicht immer ins Schwarze, aber oft genug, um ein Lächeln auf die Gesichter der Schützinnen und Schützen zu zaubern. Zwischen aufblühenden Bäumen und ersten Frühlingsstrahlen verwandelte sich das Bogenschießgelände nahe der Schloss Fasanerie in Eichenzell an diesem Karfreitag in eine ungewöhnliche Osterlandschaft: Hier wurde nicht gesucht, sondern geschossen – auf gelbe Eier.

Fotos: Silas Messing.

Der Verein „Bogenschützen der Rhön“ hatte zum Ostereierschießen eingeladen. Wer vorbeikam, brauchte keine Vorkenntnisse. Im Gegenteil: Die meisten griffen zum ersten Mal zum Bogen. Ziel war eine Scheibe in etwa zehn Metern Entfernung, auf der ein gelbes Ei prangte. Klingt einfach – war es aber nicht.

„Man musste sich voll konzentrieren, an nichts anderes denken“, erklärte der erste Vorsitzende Dieter Jung und beobachtete aufmerksam die ersten Versuche. „Das Unterbewusstsein lenkt den Pfeil ins Ziel – wenn man es lässt.“

Der Ansatz war bewusst traditionell gehalten. Kein Visier, keine technischen Hilfsmittel. Stattdessen: Körpergefühl, Ruhe – und ein Gespür für den richtigen Moment. Denn der entscheidende Augenblick war nicht das Zielen, sondern das Loslassen.

Viele Anfänger machten ähnliche Erfahrungen. Der Pfeil traf oft noch nicht perfekt das Ziel, doch die Fortschritte waren schnell sichtbar. „Das war schon ein schönes Trefferbild“, lobte Jung und korrigierte behutsam Haltung und Technik. Häufige Fehler? Ein zu hektisches Lösen, ein unruhiger Arm oder schlicht mangelnde Konzentration.

Die Atmosphäre blieb dabei entspannt. Kein Wettkampfdruck, kein Gedränge. „Ich mache nicht viel Werbung“, sagte Jung schmunzelnd. „Sonst wäre es zu voll – und die meisten müssten ja erst mal üben.“

Dass das Konzept aufging, zeigte der stetige Zuspruch. Bereits im vierten Jahr fand das Ostereierschießen statt – und hatte sich zu einem festen Termin für Neugierige und Vereinsmitglieder entwickelt. Insgesamt zählt der Verein rund hundert Aktive, von Gelegenheitsschützen bis hin zu ambitionierten Wettkämpfern.

Und sie trainierten hier nicht nur für den Spaß. Der Platz war auch Austragungsort großer Turniere. 2023 etwa kamen über 400 Teilnehmende zu einer Europameisterschaft zusammen. Mehrere deutsche Meisterschaften folgten jedes Jahr, dazu Ligawettkämpfe – Bogenschießen wie Fußball, nur stiller.

Still wurde es auch an diesem Karfreitag immer wieder. Dann, wenn jemand den Bogen spannte, innehielt – und losließ. Für einen kurzen Moment zählte nur der Flug des Pfeils. Und vielleicht, ganz vielleicht, traf er genau ins gelbe Ei.

Ostereierschießen bei Schloss Fasanerie. Fotos: Silas Messing.