Schweres rhetorisches Geschütz wurde aufgefahren von Clas-Dieter Schad (FDP), das seinen Worten nach „seit Monaten die Gemüter erregt und die Stammtische beherrscht“. In einer „anonymen Mail“ seien Verdächtigungen und Gerüchte bezüglich eines Grundstücksgeschäfts geäußert worden, bei denen es um „keine strafbewertenden Vorgänge, aber schon gewisse Merkwürdigkeiten“ gehe, mit dem „Anfangsverdacht von Mauschelei“ rund um den Ersten Beigeordneten Peter Happ. In der Sitzung stellte Schad die Frage: „Alles nur Intrige oder steckt mehr dahinter?“. Gleichzeitig kritisierte er, dass es angeblich schon „drei Strafanzeigen gibt, um kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen“. Das würde besser „in totalitäre Systeme passen“. Danach zog er den Antrag zurück.
Julian Rudolf (CDU) stellte daraufhin an Schad die Frage, ob es ihm nicht peinlich sei, was er gemacht habe: „Sie haben hier fünf bis zehn Minuten lang das große Geraune ausgebreitet, nur um dann den Antrag zurückzuziehen.“ Auch Bürgermeister Johannes Rothmund fand Schads Vortrag „stilistisch problematisch“. Zu den Fragen in Schads Berichtsantrag konnte er nichts sagen, da sie einerseits zu unkonkret gestellt waren und andererseits der Gemeinde dazu keine Erkenntnisse vorliegen würden. So müsse sich Schad an die Staatsanwaltschaft wenden, wenn es um Strafanzeigen geht – die Gemeinde habe darüber keinerlei Kenntnis.
Zusammengefasst wurden zwei Anträge von SPD und FDP, die das Thema Ärzteversorgung hatten: Gegen die Stimmen der CDU wurde beschlossen auf Abtrag der SPD, dass die Gemeinde zukünftig bei Erwerb oder Rückerwerb von Immobilien prüfen soll, ob dort eine Arztpraxis möglich ist. Auf Antrag der FDP soll wird der Gemeindevorstand beauftragt, ein Konzept zur Sicherung der Ärzteversorgung vorzulegen. Bürgermeister Rothmund wies in der Diskussion darauf hin, dass es seit seinem Amtsantritt zwei neue Zulassungen für Ärzte in Eichenzell gab. Seit von der vorherigen Bundesregierung die Vergütung für niedergelassene Ärzte verbessert wurde, gebe es vermehrte Nachfrage nach Arztpraxen. Insgesamt sei die Situation in Eichenzell relativ gut, auch durch die Änderung der Zulassungsbezirke auf Initiative des Kreises. Sowohl Alfons Schäfer (CWE) als auch Julian Rudolf meinten, Konzepte gebe es in den vergangenen Jahren schon genug. Dazu Rudolf: „Wir sind gut beraten den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Besser Gespräche führen anstatt weiterer Konzepte.“
Lutz Köhler (SPD) beantragte, dass die Gemeinde kurzfristig bis Ende Januar prüfen soll, wo in Eichenzell „zwei Wohnungen vorgehalten werden können“, um sie Menschen „bei drohender oder eingetretener Obdachlosigkeit“ zur Verfügung zu stellen. Dies könne gegebenenfalls auch in interkommunaler Zusammenarbeit erreicht werden. Dabei verwies er darauf, dass 2017 eine Familie aus einem verschimmelten Haus vom Ordnungsamt der Gemeinde in einem Gasthof außerhalb des Gemeindegebiets untergebracht worden war „was mit erheblichen Kosten verbunden war“. Bürgermeister Rothmund stellte die Frage, ob es Aufgabe der Gemeinde sei, Wohnungen vorzuhalten. Es gebe jährlich mehrere Fälle, in denen die Gemeinde meist Einzelpersonen unterbringen müsse: „Im Moment kommen wir ganz gut aus, mit dem Wohnraum, den wir haben.“ Auch sei es nicht die Aufgabe der Gemeinde längerfristigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, sondern nur kurzfristig in Notsituationen, bevor sich Betroffene wieder selbst kümmern müssen. Gegen die Stimmen der CDU bei Enthaltung der CWE wurde der Antrag angenommen.
Regelmäßig bei fast jeder Sitzung in diesem Jahr war die Einstellung eines weiteren Mitarbeiters in der Bauabteilung Thema. Die von den Gemeindevertretern genehmigte auf zwei Jahre befristetete Stelle war in üblichen Medien ausgeschrieben worden. Nur ein Bewerber kam zum Vorstellungsgespräch, der aber bei weitem nicht die ausgeschriebenen Anforderungen erfüllte. Von Seiten des Gemeindevorstands wurde die Entfristung beantragt, um mehr Bewerbungen zu erhalten. Besonders Andreas Maraun (SPD), aber auch Joachim Weber (Bürgerliste) kritisierten, dass nicht bundesweite Jobportale bei der Suche genutzt wurden, und waren gegen die Entfristung. Da half es in der Diskussion auch nichts, dass Alfons Schäfer meinte: „Ein Bautechniker für zwei Jahre zu finden ist unmöglich. Das sagte die CWE als einzige schon bei der Befristung.“ Maraun hatte grundsätzlich zugestimmt, dass die Stelle gebraucht wird. Die Ortsvorsteher Markus Roth (Döllbach) und Oskar Kanne (Rothemann), beide CDU, appellierten eindringlich, die Befristung zu streichen. Kanne erklärte: „Der Arbeitsmarkt für Techniker ist leergefegt. Und vieles geht nicht mehr vorwärts, weil die Leute in der Bauabteilung fehlen.“ Roth verwies auf schon 2024 beschlossene Maßnahmen wie Wartehäuschen und die Küche im Bürgerhaus Döllbach, die aus diesem Grund nicht ausgeführt werden konnten. In der Abstimmung wurde die Entfristung abgelehnt von SPD, Bürgerliste und CWE. Auch ein Antrag der Bürgerliste, das weitere Vorgehen auf den Bauausschuss zu übertragen, fand keine Mehrheit.
In vielen weiteren Tagesordnungspunkten herrschte, auch aufgrund der Vorbereitungen in den Ausschüssen, Einigkeit. Der Bebauungsplan zum „Technologiepark Welkers“ gegenüber dem Rhönhof wurde genehmigt. In Lütter soll ein Regenrückhaltebecken bei Starkregenereignissen geplant werden. Der Jahresabschluss 2024 wurde genehmigt – mit einem Überschuss von 374.000 Euro, womit sich die Rücklagen der Gemeinde auf rund 13 Millionen erhöhen. Nach über drei Stunden wurde die Sitzung dann beendet, die meisten der 20 bis 30 Zuschauer war schon vorher gegangen, ohne dass alle Tagesordnungspunkte abgearbeitet waren.
