Als der Personalmangel zur Inspiration wurde
Der Auslöser für das Buch war eine typische Alltagssituation: In Ripperts Praxis fehlte im vergangenen Jahr das Personal – also sprang die Zahnärztin selbst bei der Kinderprophylaxe ein. Dabei stellte sie schnell fest: Viele Kinder haben wenig Geduld und noch weniger Lust, sich mit Zahnpflege zu beschäftigen. „Ich habe Sätze gehört wie: ‚Ich hab keinen Bock‘. Und ehrlich gesagt – ich konnte es nachvollziehen“, erzählt sie. Also begann sie, aus dem Pflichttermin ein kleines Erlebnis zu machen. Sie erzählte Geschichten: Warum Zähne lila werden, was Bakterien im Mund treiben und wie sich Zahnschmerzen vermeiden lassen – kindgerecht, spannend und mit Witz. Die Reaktion war eindeutig: Die Kinder hörten aufmerksam zu, stellten plötzlich Fragen. Auch Mitarbeitende in der Praxis waren begeistert, und Eltern ermunterten sie bald, die Geschichte doch aufzuschreiben. „Als mich dann sogar eine Mutter beim Erzählen filmte – ungefragt – wusste ich: Jetzt wird’s ernst“, sagt Rippert.
Von der Idee zum Kinderbuch
Sie klappte abends den Laptop auf und tippte einfach los – zunächst die Geschichte, wie sie sie den Kindern erzählt hatte. Dann baute sie weitere Elemente ein, darunter eine Szene, die auf einem echten Zahnunfall im Schwimmbad basiert. Die Mutter des betroffenen Kindes erkannte die Parallele – das Buch lag im Kindergarten aus, in dem sie arbeitet. „Natürlich habe ich keine Namen genannt, aber es war schon ein schöner Zufall.“ Die Hauptfigur in Ripperts Buch heißt Fritzi, ist sechs Jahre alt und hält vom Zähneputzen zunächst wenig – bis Zahnschmerzen sie zur Zahnärztin Frau Dr. Molaris führen. Dort wird Fritzi in die „Zahnputzschule“ eingeladen – und entdeckt, wie spannend das Thema Zahnpflege sein kann. Begleitet wird sie dabei von einem Stoffadler, der ursprünglich nur eine Nebenfigur war. Im fertigen Buch taucht er aber doch auf fast jeder Seite, durch die insgesamt 19 Illustrationen, auf – und der Stoffadler hat ein reales Vorbild: das Kuscheltier ihrer Tochter, das sie seit 14 Jahren besitzt.
„Ene mene Zähne“ – ein Titel mit Bedeutung
Für den Titel ließ sich Rippert von einem Kinderreim inspirieren, der auch im Buch eine Rolle spielt:
„Ene mene Zähne, es wackelt der Kleene. Ene mene mu – und raus bist du!“ Er fällt in dem Moment, als Fritzi ihren Wackelzahn verliert – und gab dem Buch seinen einprägsamen Namen. Ursprünglich wollte Rippert ihr Werk „Fritzi und die Bakterien, oder so ähnlich“ nennen, fand das aber zu gewöhnlich. Der Reim kam spontan – und passte perfekt.
13 Monate von der Idee bis zum Buchladen
Veröffentlicht wurde das Buch im Michael-Imhof-Verlag, mit dem die Zahnärztin überaus zufrieden ist. „Selbstpublishing wäre für mich viel zu aufwendig und teuer gewesen. Der Verlag liegt in der Nähe, ich konnte einfach mal schnell vorbeifahren – das war super.“ Die Illustratorin Daniela Hüskes wurde ihr vom Verlag vermittelt. Die Zusammenarbeit war ein Glücksfall: Die farbenfrohen Zeichnungen machen das Buch lebendig – und holen die Kinder emotional ab. Von der ersten Idee bis zum fertigen Buch vergingen rund 13 Monate. Gedruckt wurde eine Auflage von 2000 Stück, der Preis liegt bei 14,95 Euro. Das Buch hat 32 Seiten, ist farbig illustriert, mit Hardcover und richtet sich an Kinder zwischen fünf und acht Jahren.
Wissen zum Mitnehmen – auch für Erwachsene
Als Zahnärztin mit über 25 Jahren Erfahrung in der Jugendzahnpflege – unter anderem als Patenschafts-Zahnärztin im Arbeitskreis für Kindergärten – war es Rippert wichtig, nicht nur eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Im Buch steckt auch Fachwissen, etwa zu Zucker im Alltag, dem „zuckerfreien Vormittag“ oder der richtigen Putztechnik. „Mir ist wichtig, dass auch die Vorlesenden etwas mitnehmen“, betont sie. Denn: Viele Eltern würden zu früh aufgeben. „Manche denken, dass ein fünfjähriges Kind schon alleine die Zähne richtig putzen kann – das stimmt einfach nicht. Kinder brauchen Unterstützung.“ Diese Botschaft verpackt sie charmant: Am Ende jagt Fritzi ihren Eltern mit der Zahnbürste hinterher – ein humorvoller Hinweis, dass Zahnpflege Teamarbeit ist.
Überraschung bei Thalia – und Lust auf mehr
Ihr Buch ausgerechnet bei einem Besuch im Thalia in Fulda ausliegen zu sehen, war für Rippert ein besonderer Moment. Spontan durfte sie signieren – ungeplant, aber von Herzen. Das Feedback bisher sei durchweg positiv. Ein Exemplar liegt auch im Wartezimmer ihrer Praxis aus. „Es macht einfach Freude, die Reaktionen zu sehen.“ Ob noch weitere Bücher folgen, lässt Rippert offen – Lust hätte sie jedenfalls. „Früher dachte ich an Romane – heute kann ich mir gut vorstellen, noch ein Kinderbuch zu schreiben.“
