„Wir wollen endlich weg vom Reagieren und hin zum Gestalten“, sagt Lutz Köhler, Fraktionsvorsitzender der SPD. „In den letzten Jahren konnten wir die ärztliche Versorgung nur mit großem Aufwand aufrechterhalten. Jetzt brauchen wir ein strukturelles Konzept, das die medizinische Grundversorgung dauerhaft absichert und Eichenzell für Ärztinnen und Ärzte wieder interessant macht.“ Dass sich eine Ärztin nun in Welkers niederlasse, sei sehr erfreulich, sagt Köhler: „Trotzdem müssen wir intensiv an diesem Thema dranbleiben.“ Köhler kandidiert bei der Bürgermeisterwahl am 7. Dezember als unabhängiger Bewerber, der von SPD, Bürgerliste und FDP unterstützt wird.
Die neue Arbeitsgruppe soll innerhalb weniger Monate ein entscheidungsreifes Konzept vorlegen. Neben Vertreterinnen und Vertretern aller Fraktionen wird laut Antrag auch ein fachkundiger Mitarbeiter der Verwaltung beteiligt. Und auch die in Eichenzell niedergelassenen Ärzte sollen einbezogen werden.
Im Fokus stehen zentrale Fragen: Wo könnte ein Gesundheits- und Pflegezentrum entstehen? Wie groß sollte es sein? Welche Modelle ermöglichen eine Umsetzung ohne direkte Investitionen der Gemeinde? Und wie können bestehende Ärztinnen und Ärzte, die Kassenärztliche Vereinigung oder potenzielle Investoren eingebunden werden?
Joachim Weber, Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste, betont die Dringlichkeit: „Der Ärztemangel trifft auch Eichenzell. In ganz Hessen fehlen hunderte Hausärzte, und viele Praxen stehen kurz vor der Übergabe. Wenn wir nicht handeln, drohen Versorgungslücken. Wir müssen Eichenzell zu einem Standort machen, der junge Medizinerinnen und Mediziner anzieht – mit modernen Strukturen, Kooperationen und Raum für neue Arbeitsformen.“
Tatsächlich habe die Gemeinde in den vergangenen Jahren immer wieder improvisieren müssen, um kurzfristige Lösungen zu finden. Doch diese Vorgehensweise stoße an Grenzen. „Hohe Fluktuation, komplizierte Nachbesetzungen und wachsende bürokratische Belastungen machen das Berufsbild des Landarztes zunehmend unattraktiv“, sagt Weber.
„Wir müssen medizinische Versorgung, Pflege und soziale Betreuung künftig gemeinsam denken“, sagt Claus-Dieter Schad, Fraktionsvorsitzender der FDP: „Ein Gesundheitszentrum, das Arztpraxen, Therapeuten und eine Seniorentagespflege vereint, wäre ein großer Schritt nach vorn. Das schafft Synergien und kann auch für Investoren attraktiv sein, die nachhaltige Modelle unterstützen wollen.“
Ein solches integriertes Zentrum könnte mehrere Vorteile bieten: gemeinschaftlich genutzte Praxisräume, geteilte Verwaltung, medizinische Nähe für Seniorinnen und Senioren in der Tagespflege – und vielleicht sogar Räume für Tagesmütter. Damit würde Eichenzell gleich mehrere Herausforderungen gleichzeitig angehen: Fachkräftemangel, demografischer Wandel und soziale Teilhabe im Alter.
„Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Gemeinden. Wer frühzeitig plant, hat die besseren Karten, um Ärztinnen und Ärzte langfristig zu binden“, so Köhler. „Eichenzell soll ein Ort bleiben, in dem alle Generationen gut versorgt leben können – das ist unser gemeinsames Ziel.“
Die Arbeitsgruppe soll innerhalb von zwei Wochen nach dem Beschluss ihre Arbeit aufnehmen und der Gemeindevertretung zeitnah Ergebnisse vorlegen. Mit dieser Initiative könne Eichenzell ein deutliches Signal setzen. Köhler: „Die Gemeinde will Verantwortung übernehmen und ihre Zukunft in der medizinischen und pflegerischen Daseinsvorsorge selbst gestalten – gemeinsam, vorausschauend und mit klarer Strategie.“
