Unter den Gästen waren neben vielen Eichenzeller Bürgern laut eigener Aussage auch reichlich Auswärtige aus anderen Gemeinden und viele Gemeindevertreter aller Fraktionen. Die Plätze im Bürgerzentrum waren schon kurz nach Eröffnung des Kartenverkaufs alle vergeben. Moderator Tobias Farnung fühlte den Kandidaten zu verschiedenen Themen auf den Zahn. Dabei suchten diese meist eher Gemeinsamkeiten und keine Konfrontation. Viel Neues gab es an dem Abend also nicht. Selbst bei Themen wie dem On-Demand Verkehr, welcher bei den letzten Haushaltsberatungen auch mit der Stimme von Lutz Köhler als Vorsitzendem der SPD-Fraktion erst einmal zurückgestellt wurde, herrschte Einigkeit, dass es sinnvoll wäre, ihn auszubauen. Bei Themen wie der Verkehrsbelastung in Eichenzell und dem Hochwasserschutz herrschte Einigkeit – Köhler vermied es dabei sogar gegenüber Rothmund irgendwelche Vorwürfe zu äußern, was er anders gemacht hätte. Beim insgesamt eher verhaltenen Zwischenapplaus nach den Redebeiträgen zeichnete sich kein Trend ab – im Gegenteil schienen sich viele Anwesende daran gar nicht zu beteiligen.
Auf die Frage von FZ-Lokalredakteur Tobias Farnung, wie er seine erste Amtszeit mit einer Schulnote bewerten würde, antwortete Rothmund: „Mindestens mit einem gut. Wir haben viele Dinge vorangebracht.“ Auch wenn Fehler passieren würden, sei er „stets bemüht“ gewesen. Es sei vieles angegangen worden und bei Themen wie der Kinderbetreuung oder dem Neubau der Kläranlage in Löschenrod wurde auch viel erreicht. Insgesamt meinte Rothmund, in Eichenzell „können wir ganz stolz sein“. Als weiter dauernde Aufgaben nannte der Bürgermeister den Bau der Kindertagesstätten, in Lütter und Eichenzell sind sie schon in Planung, den Starkregenschutz, den Lärmschutz und die Minderung des Verkehrs innerhalb der Ortslagen. Bei Kindertagesstätten musste dann Farnung auch einen Fehler in der Fuldaer Zeitung berichtigen – selbstverständlich soll die alte in Rothemann nicht zu einer sechszügigen Kita umgebaut werden, wie dort vermeldet. Die alte Schule soll für Vereine genutzt werden und die große neue Kita entsteht im Kernort Eichenzell.
Köhler wurde gefragt, wie seine Amtsführung aussehen würde: „In einigen Punkten brauchen wir eine gewisse Ruhe. Es geht darum, alle mitzunehmen, zu erklären was unsere Ziele sind und warum wir den einen oder anderen Weg eingeschlagen sind.“ Eine 70 Stunden Woche habe er jetzt auch schon – und so unterschiedlich sei der Beruf des Anwalts nicht zum Bürgermeisteramt: „Es geht immer darum, dass man Interessen vertritt. Auch als Anwalt sollte man Wert auf ein gutes Ergebnis legen.“ Auch er nannte den Verkehr in Rothemann „eine Katastrophe“. Wüsste er eine schnelle Lösung „wäre das wahrscheinlich wahlentscheidend“. Den Starkregenschutz nannte er „ein Steckenpferd von mir“. Die Problematik sei schon 2019 von ihm auf den Weg gebracht worden: „Es ist schon etwas gemacht worden, aber es geht noch mehr.“ Dies seien auch kleinere Maßnahmen in Zusammenarbeit mit den Land- und Forstwirten. Wobei er ergänzte während des Wahlkampfs einiges gelernt zu haben. Ein nicht ausgebaggerter Graben vermindere die Fließgeschwindigkeit und erhöhe die Menge des Sickerwassers.
Hier herrschte dann wieder Einigkeit – Rothmund ergänzte, dies sei der Ansatz, der verfolgt würde. Nachdem jetzt bei Forstverwaltung nach einigen turbulenten Personalwechseln wieder Kontinuität mit einem neuen Förster herrsche, sei man dort in konstruktiven Gesprächen. Ebenso mit Landwirten, die Hanglagen bewirtschaften. Für die Zukunft sah er auch Vorteile in Regenrückhaltebecken, welche im Bereich der erneuerten Talbrücken der Autobahn gebaut werden.
Auch die Anwesenden hatten dann die Möglichkeit, sich zu beteiligen. Die Frage von Udo Bauch nach dem Wert von Inklusion beantworteten beide wenig verwunderlich, dass schon viel getan wurde und noch viel getan werden muss. Ebenso einig waren sich beide in ihrer Antwort auf Alfons Schäfer, Fraktionsvorsitzender der CWE, dass sie seinem Antrag zur Verkehrsberuhigung in Rothemann an der Ortseinfahrt aus Fulda zustimmen. Erwin Hillenbrand erkundigte sich nach der Wärmeleitplanung. Rothmund erklärte, dass Nahwärme bestenfalls in Eichenzell oder Welkers Sinn machen könnte. Planungen für Rothemann sind wegen der unsicheren Entwicklung bei Biogas momentan unwahrscheinlich. Weitere Fragen betrafen wieder den Hochwasserschutz.
Zum Abschluss wollte Tobias Farnung dann von beiden Kandidaten wissen, wo sie Eichenzell in 30 Jahren sehen. Ohne allzu konkret zu werden, sahen beide Eichenzell auf einem guten Weg und für die Zukunft vergleichsweise gut gerüstet. Für beide solle weiterhin Wert auf viele kleinere Gewebetreibende gelegt werden, um nicht von einer Branche oder gar einem Betrieb abhängig zu sein. Köhler betonte, dass Eichenzell heute noch Kindergartenplätze bauen müsse, wo andere Gemeinden schon Gruppen schließen. Und was Zukunftsprognosen angeht, ergänzte Rothmund, dass laut der Bertelsmann-Studie von vor 30 Jahren Eichenzell heute 7000 Einwohner haben müsste – es sind aber rund 12.000.
Nun kommt es auf die Wähler an. Die Briefwahl läuft schon und am Zweiten Advent sind dann alle aufgerufen abzustimmen, wem sie für die nächsten sechs Jahre ihr Vertrauen schenken wollen.
