Kurz nach 19 Uhr stand das Ergebnis fest. 112 Stimmen trennten die beiden Kandidaten, etwas mehr als die 88 Stimmen beim Wahlkrimi vor sechs Jahren. Im gut gefüllten Saal des Eichenzeller Schlösschens verfolgten Bürger sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung live das Eintrudeln der Ergebnisse aus den einzelnen Wahlbezirken – begleitet von Raunen, Applaus und sichtbarer Anspannung. Wenige Minuten nach der Bekanntgabe erreichte auch Johannes Rothmund den Saal – begleitet von Erleichterung und Applaus. Die Ergebnisse hatte er nach eigener Aussage mit der Familie an anderer Stelle im Eichenzeller Schlösschen verfolgt. „Gute Pferde springen knapp“, kommentierte er seinen zweiten knappen Wahlsieg in Folge und betonte, dass er die kommenden sechseinhalb Jahre nutzen wolle, „um Eichenzell weiter voranzubringen“. Er lobte die faire Auseinandersetzung und sagte: „Ich will auch Lutz Köhler meinen höchsten Respekt geben.“ Gleichzeitig warb er für ein engeres Zusammenrücken der politischen Gremien und stellte klar, dass politische Diskussionen nicht in sozialen Medien ausgetragen werden sollten: „Politik wird nicht am Internet gemacht.“ Nach der Wahlfeier gehe es nahtlos weiter: „Morgen um 8 Uhr wird Eichenzell weiter vorangebracht.“
Enttäuschender Ausgang für Köhler
Lutz Köhler zeigte sich unmittelbar nach der Verkündung gefasst, aber sichtlich bewegt. „Ich habe offen gestanden noch gar nichts richtig als Eindruck“, sagte der 56-Jährige, der meinte, dass es seine letzte Wahl gewesen sei. Der Wahlkampf seit Karfreitag sei intensiv gewesen, manche Ergebnisse überraschend – und das Gesamtresultat schmerzhaft: „Ja, es fühlt sich schon wie eine Niederlage an.“ Dennoch zeigte Köhler Sportsgeist: „Ich gehe jetzt gleich noch hin und werde ihm natürlich gratulieren. Das gehört sich.“ Zwischen ihm und Rothmund habe es nie Feindseligkeiten gegeben: „Ich hatte jetzt hier einen politischen Gegner und nichts anderes.“ Köhler dankte seinem Team für die monatelange Arbeit, zeigte sich offen enttäuscht – „es tut mir leid, dass ich es nicht geschafft habe“ – und kündigte an, in den kommenden Tagen über seine politische Zukunft nachzudenken.
Fritsch fordert Vertrauen und Klarheit
Die Vorsitzende der Gemeindevertretung, Ingrid Fritsch (Bürgerliste), nutzte ihre Rede zu Beginn des Wahlabends für einen klaren Appell. Nach einem intensiven Wahlkampf sei es nun wichtig, Vertrauen wiederherzustellen und die kommenden Jahre gemeinsam anzugehen. Sie würdigte Köhler als „aufrichtig, ehrlich und realitätsnah“ und dankte Rothmund für seine langjährige Führung. Ihr Auftrag an den amtierenden Bürgermeister war eindeutig: „Schaffen Sie Verbindung. Zwischen Ortsteilen und Generationen, zwischen Verwaltung und Bürgerschaft. Durch Entscheidungen, die man nachvollziehen kann.“ Politik müsse gemeinsam mit den Bürgern gestaltet werden – nicht über ihre Köpfe hinweg.
Kritik aus der Bürgerliste: „Wir sind klar belogen worden“
Deutlich kritischer äußerte sich Joachim Weber, Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste Eichenzell. Er sprach offen über aus seiner Sicht bestehende Transparenzprobleme in den vergangenen Jahren und nannte wiederholte Fälle falscher Informationen aus einem Ausschuss: „Wir sind klar belogen worden.“ Das Wahlergebnis sei ein klarer Auftrag an Rothmund, „sein Politikstil zu ändern“. Ehrlichkeit und Transparenz seien die Grundlage der Demokratie. Während nach der Wahl nun vor der Kommunalwahl sei, betonte er, dass Entscheidungen in der Gemeindevertretung getroffen würden – der entscheidende politische Teil beginne jetzt.
Viel Unterstützung für den wiedergewählten Amtsinhaber
Breite Unterstützung erhielt Rothmund aus anderen politischen Reihen. Landrat Bernd Woide erinnerte daran, dass „Demokratie von der Auswahl lebt“ und dass es ein Privileg sei, wählen zu dürfen. Landtagsabgeordneter Sebastian Müller lobte Eichenzell als starke, zukunftsfähige Gemeinde und betonte: „Politik ist ein Teamsport.“ CDU-Kreisvorsitzender Frederik Schmitt hob einmal mehr die Bedeutung demokratischer Beteiligung hervor. Hofbiebers Bürgermeister Markus Röder sprach stellvertretend für die zahlreich erschienenen Amtskollegen und unterstrich, dass Demokratie „immer wieder erneuert werden muss“. Er lobte Rothmunds Bodenständigkeit und seine Fähigkeit, viele Themen gleichzeitig voranzutreiben. Julian Rudolf, stellvertretender CDU-Vorsitzender in Eichenzell, forderte einen Neustart im politischen Miteinander: „Lasst uns im neuen Jahr den Reset-Knopf drücken.“ Respekt, Sachlichkeit und Ehrlichkeit müssten die Grundlage für die Arbeit aller Fraktionen sein.
