Lokales 20.08.2025

„Noch nie erlebt“: Eichenzeller Brandschützer zurück aus Bordeaux

Eichenzell/Bordeaux (sim) – Hitze, Staub, Flammen – und dazwischen: drei Männer aus dem Landkreis Fulda. Torsten Gröger, Mathias Muth und Florian Auth von der Freiwilligen Feuerwehr Eichenzell-Büchenberg sind zurück aus ihrem Einsatz in Südwestfrankreich. Gemeinsam mit 32 weiteren Feuerwehrleuten aus Hessen haben sie im Rahmen des europäischen Katastrophenschutzverfahrens zwei Wochen lang die französischen Behörden in der waldbrandgefährdeten Region rund um Bordeaux unterstützt.

Die osthessischen Einsatzkräfte unterstützten die Feuerwehrleute in Frankreich. Fotos: privat

Torsten Gröger berichtet von seinen Erlebnissen in Bourdeaux.

Der Einsatz war Teil des EU-Programms „Pre-Positioning“. Dabei werden in besonders gefährdeten Regionen Europas Feuerwehrteams vor Beginn der Hauptbrandsaison stationiert, um im Ernstfall sofort helfen zu können. Für die Kräfte aus Eichenzell war es der erste Auslandseinsatz dieser Art – und einer, der bleibende Erlebnisse hinterließ. 

Auswahlverfahren und Vorbereitung

Dem Einsatz voraus gingen ein Auswahlverfahren und zwei intensive Vorbereitungswochenenden in Kassel. „Das Land Hessen hat die Möglichkeit ausgeschrieben. In einem Infokatalog konnte man die Voraussetzungen nachlesen, um sich zu bewerben“, erzählt Torsten Gröger. In Kassel mussten die Teilnehmer ein umfangreiches Theorie- und Praxisprogramm absolvieren – vom Umgang mit spezieller Ausrüstung bis hin zur Taktik bei Vegetationsbränden. „Das war ein echt knackiges Wochenende, mit vielen Übungen. Wir wurden dabei durchgehend bewertet – am Ende waren wir das Team mit der besten Punktzahl und durften nach Bordeaux.“ Die offizielle Verabschiedung erfolgte am 31. Juli in Wiesbaden durch Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU). Insgesamt fünf Teams, bestehend aus 35 Feuerwehrleuten aus ganz Hessen, machten sich auf den Weg nach Frankreich. Der Landkreis Fulda gehörte hessenweit zu den Kreisen mit der höchsten Einsatzbereitschaft – 23 Feuerwehrleute hatten sich gemeldet. Die Auswahl fiel auf das Team aus Eichenzell-Büchenberg, das mit einem modernen Gerätewagen-Logistik des Landes Hessen ausgestattet war. 

Zwei Wochen im Ausnahmezustand

Untergebracht war das Team in einem Internat in der Nähe von Bordeaux. Die Ausstattung: funktional, klimatisiert, mit Dreibettzimmern. „Das Internat war top. Wir hatten alles, was wir brauchten“, berichtet Gröger. Viel Zeit in der Unterkunft blieb allerdings nicht. Im Einsatzgebiet herrschten extreme Temperaturen – das Thermometer im Einsatzfahrzeug zeigte teilweise 47 Grad an. In einem Fall maß die Wärmebildkamera des Teams 480 Grad am Boden. „Da merkt man, dass die Natur brennt. Es war nicht so, dass man ankam und das Feuer war aus – an manchen Stellen waren plötzlich drei bis vier Meter hohe Flammen hinter dir.“ Insgesamt fuhr das hessische Team acht Einsätze, teils in entlegene Waldstücke, einmal über eine Strecke von 70 Kilometern. „Wir waren eine Dreiviertelstunde mit Blaulicht unterwegs, nur um zum Einsatzort zu kommen.“ Die Tage waren lang, der Schlaf knapp. „Manchmal ging ein Einsatz bis 3.30 Uhr morgens – und um 6 Uhr war wieder Antreten“, erzählt Gröger. In den sogenannten „Verfügungsphasen“, offiziell für Regeneration gedacht, blieb meist nur Zeit zum Schlafen, Einkaufen oder Wäschewaschen. „Freizeit war das eigentlich nicht.“ 

Intensive Zusammenarbeit vor Ort

Die Feuerwehrkräfte waren in den Einsatzalltag der französischen Kollegen vollständig eingebunden. Dazu gehörten sowohl realistische Übungen als auch echte Einsätze, zum Beispiel nach einem heftigen Gewitter mit mehreren Blitzeinschlägen. „Da hatten wir in einer Nacht gleich sieben neue Brände – die mussten wir dann über zwölf Stunden hinweg löschen.“ In Frankreich läuft die Brandbekämpfung häufig anders ab als in Deutschland: Zuerst kommen Löschflugzeuge zum Einsatz, die aus der Luft große Mengen Wasser abwerfen. Anschließend übernehmen Bodentrupps mit spezieller Ausrüstung die weitere Eindämmung. „Das war spannend mit anzusehen – aber auch sehr lehrreich. Wir haben unterschiedliche Taktiken gesehen und bei der Fahrzeugbestückung viele neue Ansätze kennengelernt.“ Die hessischen Teams trugen Schutzkleidung vom Land Hessen. Auch der Landkreis Fulda unterstützte den Einsatz organisatorisch und finanziell. 

Ein Team über Ländergrenzen hinweg

Was den Einsatz besonders machte, war das Gefühl von Zusammenhalt – sowohl innerhalb des hessischen Kontingents als auch im Miteinander mit den französischen Gastgebern. „Alle haben an einem Strang gezogen. Es ist eine richtige Einheit entstanden“, sagt Gröger. „Wir haben unser Wissen weitergegeben – und viel von den Franzosen mitgenommen.“ Die Gastfreundschaft war außergewöhnlich. „Einmal wurde unser Team zu einem Feuerwehrfest eingeladen – das war eher ein Großevent mit Konzert, mehreren tausend Besuchern und fast so wie die Domplatz Konzerte. So etwas erlebt man nicht alle Tage.“ Auch im Alltag zeigten die französische Bevölkerung ihre Dankbarkeit: „Die Menschen haben applaudiert, wenn wir zu Einsätzen gefahren sind. Sie haben uns Wasser gereicht, Platz gemacht – das war schon eine ganz andere Anerkennung als hierzulande. So etwas vergisst man nicht.“ 

Einsatz mit bleibendem Eindruck

Neben vielen Erinnerungen brachte Gröger auch eine Flasche Bordeaux-Wein mit nach Hause. Zeit, die Region als Tourist kennenzulernen, blieb aber kaum. „Wir waren einmal eine halbe Stunde in Bordeaux – da habe ich für unser Abendessen eingekauft.“ Eine Ausnahme bildete ein kurzer Abstecher zur Dune du Pilat, Europas höchster Wanderdüne. „Die war nur zehn Minuten entfernt, deswegen konnten wir uns das anschauen.“ Rund 2000 Kilometer legten die Einsatzkräfte in Frankreich mit dem Fahrzeug zurück. Immer bereit, jederzeit ausrücken zu können. Am 17. August kehrten die drei Männer schließlich zurück. Erschöpft, aber zufrieden. „Wir haben über 400 Stunden investiert – und es hat sich gelohnt“, sagt Gröger. „Ich würde sofort wieder mitfahren, wenn wir gebraucht werden.“ Ein solcher Einsatz sei nur möglich mit Rückhalt von Familie und Arbeitgebern. Gröger betont: „Meine Familie war währenddessen selbst im Urlaub. Wir haben nur zwei Mal telefoniert – das war für alle eine Herausforderung, aber es hat funktioniert.“ 

„So eine Chance sollte man nutzen“

Die Erfahrung in Frankreich war für alle Beteiligten mehr als nur ein Feuerwehreinsatz. Es war eine persönliche und fachliche Weiterentwicklung. „Ich bin 41 Jahre alt und habe so etwas noch nie erlebt“, sagt Gröger. „Jeder, der die Möglichkeit bekommt, sich im Katastrophenschutz zu engagieren, sollte das tun. Es erweitert den Horizont – fachlich, menschlich und kulturell.“ Für die Gemeinde Eichenzell und den Landkreis Fulda war der Einsatz ein Zeichen für Engagement über Grenzen hinweg. Kreisbrandinspektor Adrian Vogler sagte vor der Abreise: „Wir sind stolz, dass unsere drei Einsatzkräfte nicht nur die Gemeinde, sondern den gesamten Landkreis vertreten.“

Osthessen unterstützen Feuerwehr in Frankreich. Fotos: Privat