Dr. Tobias D. Gantner ist Geschäftsführer der Healthcare GmbH mit Sitz in Köln. Mit seinem Healthcare MakerMobile möchte der technikaffine Mediziner den Eichenzellern zeigen, wie die medizinische Versorgung in Zukunft aussehen könnte. Individuell dosierte Medikamente aus dem 3-D-Drucker, ein Blutzuckermessgerät, für das kein Blut abgegeben werden muss, digitale Stethoskope und „Ohne-Arzt-Praxen“ – vieles ist bereits möglich, „aber die Nutzerinnen und Nutzer müssen natürlich bereit sein, die erforderlichen Daten zur Verfügung zu stellen.“
Skeptiker und Bedenkenträger traten während der Veranstaltung nicht in Erscheinung, im Gegenteil. Als „längst überfällig“ bezeichnete ein Bürger laut Philipp Wilimzig, Geschäftsführer der Smart Villages Solution GmbH, die Entwicklung der Eichenzell-App. Am Messetag wurde die App zum ersten Mal der Öffentlichkeit auf Tablets präsentiert. Bürgertelefon, Wetter, Branchenverzeichnis, Abfallkalender und mehr listet sie auf. Das Angebot, digital an die Entleerung von Mülltonnen zu erinnern, gibt es zwar bereits seitens des Landkreises, doch der Vorteil der Smart City App sei, dass man sich übersichtlich in einer App über alles informieren könne, was Eichenzell betreffe, unterstrich Wilimzig. Die App sei zu 80 bis 90 Prozent fertiggestellt und zahlreiche Interessierte nutzten die Möglichkeit, sich als Tester des Produkts registrieren zu lassen.
Auch nach Eindruck der Smart-City-Projekt-Mitarbeiterinnen Milena Faulstich und Katharina Stupp stieß die neue App neben Fragen zu Digitalisierungskursen auf das größte Interesse der Besucherinnen und Besucher. Während Wilimzigs Vorstellung des Angebots im Rhönklubraum seien alle Plätze besetzt gewesen. Von 14 bis 18 Uhr fanden im Rhönklubraum Fachvorträge zu Themen wie der Glasfaser- und der IT-Infrastruktur statt. Alexander Jöckel von der Rhön Energie referierte über das Funknetz LoRaWan, dessen Reichweite zehn Kilometer beträgt. Auch ein vernetzter Trimmdich-Pfad, intelligente Straßenbeleuchtung und Verkehrssysteme sowie die Konzeption von Mobilitätsstationen für Eichenzell wurden vorgestellt. Zusammen mit Kassel und Darmstadt gehört das vergleichsweise kleine Eichenzell zu den hessischen Modellkommunen. Simone Schlosser aus Darmstadt gab Einblick in Umsetzung und Schwerpunkte des dortigen Projekts.
Thorsten Sturm, Smart-City-Projektleiter in Eichenzell, stellte im Gewölbekeller des Herrenhauses die Smart City Strategie der Gemeinde vor, die vom Parlament im Juni dieses Jahres einstimmig beschlossen worden ist. Der Verein „Leben und Arbeiten“ verkaufte im Gewölbekeller Kaffee und Kuchen und Antonius-Mitarbeiter nutzten die Gelegenheit, um sich mit Philipp Wilimzig über die Möglichkeiten auszutauschen, die App barrierefrei zu gestalten. „Außerdem überlegen wir, wie die Menschen mit Beeinträchtigung auch bei der Entwicklung der App partizipieren können, beispielsweise als Tester, wenn es die Funktion der leichten Sprache gäbe“, sagte einer der Betreuer des Projekts „Leben und Arbeiten“.
Neben dem Landrat besuchten auch Bürgermeister, so jene von Flieden und Kalbach, die Messe. „Es gehört zur Aufgabenstellung des Projektes, dass wir unser Wissen transferieren“, erklärte Bürgermeister Johannes Rothmund. Bernd Woide wies in seiner Ansprache darauf hin, dass der Landkreis ebenfalls interessiert sei, die Erfahrungen aus Eichenzell in der Fläche umzusetzen. „Das Projekt ist gut für Ihre Gemeinde, da ist es auch gut für Sie“, legte er den Bürgern nahe.
