Aktueller Anlass der Veranstaltung war dabei der Straßenausbau in der Neuhofer Weinstraße, in Folge dessen teils Summen von bis zu 47.000 Euro auf die Anlieger zukommen können. Der Unmut über die immensen Summen und die daraus resultierende finanzielle Belastung der Anlieger, war deutlich im Raum zu spüren: Die Bürger waren teils mit neonfarbenen Warnwesten mit dem Aufdruck: „Heute wir! Wann ist Deine Straße dran?“ ausgestattet sowie mit roten Karten, die nach Bedarf auch eingesetzt wurden. Tina Hack und Rainer Burkard von der „Bürgerinitiative Neuhof für ein beitragsfreies Hessen“ begrüßten die formierten Bürger. Im Gemeindezentrum war aber nicht nur die Bürgerinitiative aus Neuhof, die circa 300 Mitglieder umfasst, anwesend, sondern auch Vertreter der Bürgerinitiativen aus Petersberg und Eichenzell.
Sie alle waren sich im Punkt der Abschaffung der Straßenbeiträge einig: „Es kann jeden treffen und es muss anders geschultert werden, als auf den Schultern der Bürger“, formulierte Hack zu Beginn der Veranstaltung. Als Moderator fungierte an diesem Abend Andreas Schneider, Sprecher und Mitbegründer der „AG Straßenbeitragsfreies Hessen.“ Auch er bezeichnete die Straßenbeiträge als „Dauerärgernis Nummer eins in den hessischen Kommunen.“ Dabei sei aber zu beachten, dass dieses Problem nicht in allen hessischen Kommunen auftrete: Bebra oder Eschwege würden beispielsweise keine Straßenbeiträge erheben. „Hessen ist ein Flickenteppich. Wo sind hier die gleichwertigen Lebensverhältnisse?“, warf Schneider die Frage auf. Wer in andere Bundesländer schaue, suche Straßenbaubeiträge vergeblich: Baden-Württemberg, Bayern oder Hamburg haben Straßenbaubeiträge bereits abgeschafft, Berlin hat sie teils sogar den Bürgern zurückgezahlt.
Im weiteren Verlauf des Abends äußerten sich die anwesenden politischen Vertreter auch zum Thema und standen den Zuhörern Rede und Antwort. CDU-Landtagsabgeordneter Markus Meysner betitelte die Straßenbeiträge als „Recht im Unrecht“. „Mit der Abschaffung der Straßenbeiträge wird ein System angegriffen, was bisher funktioniert hat“, erläuterte Meysner seinen Standpunkt und fügte an: „Eigentum hat eben nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten.“ Damit stieß er beim anwesenden Publikum auf heftigen Widerspruch, auch mit seinem Vorschlag die Straßenbeiträge auf die Grundsteuer B umzulegen, konnte er die erhitzten Gemüter nicht beruhigen.
Neuhofs Bürgermeister Heiko Stolz zeigte sich sehr verständnisvoll für die Anliegen der Anwesenden, verdeutlichte aber auch, dass er als Bürgermeister mehrere Perspektiven zu berücksichtigen habe, nämliche die Perspektive der betroffenen und nicht-betroffenen Bürger bis hin zur Perspektive der Landesregierung. Seine Aufgabe sei es, all diese zusammenzuführen. Dabei gehe es ihm um „eine Lösung, die für möglichst viele Bürger gerecht ist unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen der Landesregierung.“ Ziel sei es, auf die aktuelle Lage zu reagieren, mitunter auch das Ergebnis der Landtagswahlen abzuwarten und vorerst keine Bescheide zur Zahlung der Straßenbeiträge bis 2019 auszustellen.
Auch SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Waschke konnte den Bürgern diesbezüglich Hoffnung machen: Die SPD wolle das Problem der Straßenbaubeiträge in den Landtag bringen: „Es ist vor allem ein Problem des ländlichen Raums, das angegangen werden muss.“ Michael Wahl (Die Linke) konnte dem ebenfalls zustimmen, die Linke fordere auch die Abschaffung der Straßenbaubeiträge. Für die Bürger bleibt abzuwarten, ob sich nach den Landtagswahlen etwas ändert und sich die neue Landesregierung der Thematik annimmt.
