Lokales 06.04.2017

Windpark im Gieseler Forst – In Kommunen regt sich Widerstand

Neuhof/Eichenzell (gü) – Acht Windenergieanlagen plant die Firma ABO Wind derzeit im Gieseler Forst im Bereich der Nippelskuppe. Die Anlagen könnten im Abstand von nicht einmal zwei Kilometern zur Wohnbebauung der Ortsteile Kerzell, Löschenrod, Tiefengruben und Harmerz entstehen. Der Projektentwickler möchte den Antrag für die acht Windkraftanlagen im Zeitraum Mai/Juni stellen, anschließend soll auch eine Infomesse für Bürger durchgeführt werden.

„Die Gemeinde und die Bürger stehen dem Projekt sehr kritisch gegenüber“, sagt Neuhofs Bürgermeister Heiko Stolz zu den ABO Wind-Plänen und gibt zu bedenken: „Der Gieseler Forst ist eins der größten zusammenhängenden Waldgebiete.“ Der geplante Windpark war eins der Themen auf der Bürgerversammlung Anfang März, wenige Wochen zuvor hatten die Projektentwickler ihr Vorhaben der Gemeinde vorgestellt. „Da es sich bei dem Gebiet um eine Vorrangfläche handelt, denke ich, dass die Genehmigung eher eine formelle Angelegenheit sein wird“, so Stolz: „Wir versuchen die Sache jetzt aber nochmal aufzugreifen.“ Gemeinsam mit den anderen betroffenen Kommunen Eichenzell und Fulda sowie Verbänden beispielsweise aus den Bereichen Naturschutz und Archäologie wurde am Mittwoch beraten und das weitere Vorgehen abgestimmt. Die Gemeinde Eichenzell wurde Ende März ebenfalls von ABO Wind in die Pläne eingeweiht. „Wir als Gemeindeverwaltung prüfen, was wir tun können“, sagt Eichenzells Bürgermeister Dieter Kolb: „Die großen Räder sind über 200 Meter hoch und stehen nah am Ort, auch wenn die gesetzlichen Mindestabstände eingehalten werden.“

Der Gieseler Forst ist laut Teilregionalplan Energie Nordhessen Vorrangfläche für Windkraft. Projektentwickler ABO Wind informiert auf seiner Homepage über die Pläne für den nordöstlichen Bereich des Waldgebiets. „Die beantragten Anlagen des Windparks Neuhof-Gieseler Forst liegen auf einer Hochfläche im Bereich Nippelskuppe“, heißt es dort: „Die Höhe der geplanten Anlagenstandorte über NN beträgt rund 420 Meter.“ Messungen dort hätten Geschwindigkeiten von 6,5 Metern pro Sekunde ergeben, also Werte, die innerhalb des von der Landesregierung vorgegebenen Korridors liegen und zudem für Hessen relativ hoch seien. Die Anlagen würden von nah und fern gut sichtbar sein. Widerstand regt sich in den betroffenen Orten. „Das durch alle möglichen Verkehrsmittel und Gewerbegebiet bereits stark beeinträchtigte Dorf Kerzell wird nun auch noch von Westen mitten aus dem Wald in die Zange genommen – Löschenrod ist ebenfalls betroffen“, meint beispielsweise Claus Heiner aus Kerzell.

Auch wenn der vorgeschriebene Abstand von 1000 Metern zu geschlossener Wohnbebauung eingehalten wird, kommt ein Teil der geplanten Windkraftanlagen den umliegenden Dörfern relativ nah. Die Abstände von Anlage sechs werden mit 1046 Metern zu den Höfen am nördlichen Ausgang des Sulzhoftunnels und 1727 Metern bis zum Ortsrand von Löschenrod angegeben. Von Anlage acht aus wären es laut Karte 1140 Meter zu den Höfen, 1388 Meter bis zur Siedlung Steinberg und 1559 Meter bis zum Ortsrand von Kerzell. In Richtung Süden wären vor allem Tiefengruben mit einem Abstand von knapp 1300 Metern und die Bilandshöfe mit einer Entfernung von rund 840 Metern zu Anlage eins betroffen. Im Norden beträgt der Abstand von Anlage drei nach Nonnenrod 717 Meter und der Ortsrand von Harmerz ist auch nur 1153 Meter von Anlage sechs entfernt.

ABO Wind hat nach eigenen Angaben bereits seit 2013 naturschutzfachliche und weitere projektrelevante Untersuchungen durchgeführt. Der weitere Zeitplan des Unternehmens sieht die Antragsstellung für acht Windkraftanlagen mit anschließender Infomesse für Bürger im Mai/Juni vor. Im Herbst 2017 soll die Offenlegung der Antragsunterlagen vor Ort folgen. Der Projektentwickler hofft im Sommer 2018 dann die Genehmigung zu erhalten und im Herbst kommenden Jahres mit dem Bau beginnen zu können. Eine Inbetriebnahme könne dann im Frühjahr oder Sommer 2019 erfolgen.