Lokales 29.03.2013

Ein Prinz kehrt in sein Schloss zurück – Neues Portrait im Galeriesaal

Eichenzell (ea/hg) – Viele in der Region kennen das berühmte Porträt der Landgräfin Anna von Hessen, die Ende des 19. Jahrhunderts Schloss Fasanerie als ihre Sommerresidenz bewohnt hat. Weniger bekannt ist Prinz Wilhelm Friedrich von Oranien, der hundert Jahre zuvor, von 1802 bis 1806 der Hausherr auf Schloss Fasanerie war. Im März konnte die Hessische Hausstiftung für das Museum Schloss Fasanerie ein bedeutendes Porträt dieses Prinzen erwerben.

Es zeigt den etwa vierzigjährigen Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau (1772-1843), dem sein Vater im Jahr 1802 die Herrschaft über Fulda, Corvey, Weingarten und Dortmund abgetreten hatte. Im Kampf gegen Napoleon verlor er 1806 seine Besitzungen wieder, nutzte aber bis dahin Fulda als Residenzstadt und auch das Sommerschloss Fasanerie. Im Jahr 1803 empfing der niederländische Landesherr dort das preußische Königspaar (Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise). Wilhelm Friedrich war auf vielfältige Weise sowohl mit dem Haus Preußen wie auch mit dem Haus Hessen verwandt. Er war verheiratet mit Wilhelmine 2 von Preußen, einer Tochter des Königs Friedrich Wilhelm II., die ihrerseits eine Schwester der hessischen Kurfürstin Auguste war.

In Folge des Wiener Kongresses wurde Prinz Friedrich Wilhelm im Jahr 1815 unter dem Namen Wilhelm I. zum ersten König der Niederlande gekrönt. Das Porträt stammt von der Hand des in Hanau geborenen Malers Friedrich Bury (1763 – 1823), der in Kassel, Weimar und Dresden tätig war. In seiner Jugend verbrachte er mehrere Jahre in Rom, und pflegte freundschaftliche Verbindungen zu Johann Wolfgang Goethe und Anton Wilhelm Tischbein. Er arbeitete für den preußischen wie auch für den hessischen Hof. So porträtierte er mehrfach Kurfürstin Auguste von Hessen, der er in Kassel auch Malunterricht erteilte. Es ist nur eine einzige zweite – etwas schwächere – Version dieses Porträts bekannt, die sich in der Sammlung des niederländischen Königshauses in Den Haag befindet.

Das Porträt des späteren niederländischen Königs hängt nun im Galeriesaal des Museums Schloss Fasanerie, Auge in Auge mit zweien seiner Nachfolger in der Herrschaft über das Fürstentum Fulda. Im selben Raum hängen nämlich auch die Porträts von Kurfürst Wilhelm I. und Wilhelm II. von Hessen. Es bleibt dort vorerst nur bis Ende April zu sehen und reist dann für drei Monate zu einer großen Friedrich Bury Werkschau nach Weimar. Dem Wirken von Prinz Wilhelm Friedrich hat die Stadt Fulda zusammen mit einer bürgerschaftlichen Initiative im Jahr 2012 eine internationale Konferenz unter dem Titel „Wachse hoch, Oranien“ gewidmet. Und derzeit bewirbt sich die Stadt zusammen mit Schloss Fasanerie um eine Aufnahme in die touristische „Oranierroute“.